Gesundheit

Brustimplantate: Deutsche sollen Silikon entfernen

Im Skandal um Billig-Brustimplantate aus Frankreich rät nun auch Deutschland, die Silikonkissen als Vorsichtsmaßnahme herausnehmen zu lassen. Das teilte das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte mit.

Wie viele Frauen in Deutschland betroffen sind, ist unklar. Länder wie Frankreich und Tschechien hatten bereits geraten, die Implantate zu entfernen. Weltweit sollen zwischen 400 000 und 500 000 Frauen minderwertige Silikonkissen der französischen Firma Poly Implant Prothèse (PIP) erhalten haben.

Der Gründer der PIP, Jean-Claude Mas, hat zugegeben, den TÜV Rheinland bei der Kontrolle seiner Prothesen jahrelang getäuscht zu haben. Laut Verhörprotokoll ordnete der heute 72-Jährige schon 1993 an, vor dem TÜV "die Wahrheit zu verschleiern". Der eigentliche Betrug begann nach Angaben des früheren technischen PIP-Leiters Thierry Brinon 2001 mit der Produktion der Silikoneinlagen.

"Der TÜV kündigte seinen Besuch zehn Tage vorher an. Es war schon Routine, dass ich die Anweisung gab, alle Unterlagen zu verstecken, die einen Bezug zu dem nicht zugelassenen PIP-Gel hatten", sagte Mas, der seine Firma 2010 auflösen musste, laut dem Protokoll. Nur ein Viertel seiner Brustprothesen habe das gegenüber dem TÜV angegebene US-Gel Nusil enthalten, sagte Mas. Mas ging es laut Thierry Brinon bei dem Betrug ums Geld. 2009 lagen die Kosten für Nusil bei 35 Euro pro Liter, das hausgemachte PIP-Gel kostete nur fünf Euro pro Liter. PIP sparte nicht nur am Gel, sondern auch an den Hüllen für die Implantate. Das Ergebnis: 2009 wurden Risse an bis zu 40 Prozent der Prothesen gemeldet. Der TÜV Rheinland muss sich am 2. Februar wegen der PIP-Kontrollen vor dem Handelsgericht Toulon verantworten. Das Kölner Unternehmen bezeichnete die Klage als "unzulässig und substanzlos".