Immobilien

Studentenbude für 88 Millionen Dollar

In Russland ist der Neujahrstag der Tag der Geschenke und nicht Weihnachten. Etwas verfrüht, aber sicherlich nicht weniger von Herzen hat nun Dmitri Rybolowlew seiner 22-jährigen Tochter Jekaterina ein Präsent gemacht.

Mit der Verpackung in Geschenkpapier dürfte der gute Mann allerdings seine Schwierigkeiten haben: Seine Katja - so ihr Kosename - darf nun die mit 88 Millionen Dollar teuerste Immobilie New Yorks mit Blick über den Central Park ihr Eigen nennen. Zehn exklusiv eingerichtete Zimmer auf einer Fläche von 626 Quadratmetern, umrahmt von einer 190 Quadratmeter großen Dachterrasse, stehen der Milliardärstochter zur Verfügung.

Sie studiere gegenwärtig in den USA, verlautete aus ihrer Umgebung. Wo genau, wurde nicht bekannt. Wenn sie hin und wieder New York besuche, werde sie nun in dem exklusiven Penthouse in 15 Central Park West wohnen. Das Wort Bescheidenheit gibt es natürlich auch in der russischen Sprache, wird aber von den rasant zu Reichtum gekommenen Millionären und Milliardären nur selten benutzt. Völlig unbescheiden hatte Katjas Daddy schon 2008 dem US-Tycoon Donald Trump 100 Millionen Dollar für dessen Anwesen in Palm Beach gezahlt.

Tochter Katja hat in den vergangenen 15 Jahren ein Leben genossen, wie es die Kinder vieler reicher Russen fernab der angestammten Heimat führen. Sie lebte in der Schweiz, war dann in Monaco zu Hause. Springreiten ist ihre Leidenschaft, ohne dass sie es bisher zu nennenswerten Erfolgen gebracht hätte. 2010 gewann sie 2370 Dollar Preisgeld, teilte die Global Champions Tour auf ihrer Website mit.

Kein Problem, wenn der Vater Dmitri Rybolowlew heißt und mit einem geschätzten Vermögen von 9,5 Milliarden Dollar auf der Forbes-Liste der reichsten Russen an 14. Stelle geführt wird. Ungewöhnlich ist, dass Rybolowlew nicht im Öl- oder Gasgeschäft seine Milliarden verdient hat und auch kein Unternehmen der Telekommunikation besitzt. Kalisalz, ein Grundstoff der Düngemittelindustrie, ist der Stoff, aus dem sein Reichtum entstand. Der versetzte ihn in die Lage, sich nun wohl doch noch einen Jungentraum zu erfüllen. Nachdem Rybolowlew zunächst dementierte, hat der Präsident des AS Monaco, Etienne Franzi, nun angekündigt, man werde sich bis zum Jahresende einigen. Der Russe soll Mehrheitsaktionär des finanziell angeschlagenen Zweitligisten werden. Monacos Herrscher Fürst Albert II. hatte sich in die Suche nach einem ausländischen Investor für den Verein eingeschaltet. Die Frage, ob seine guten Beziehungen zu Russlands ehemaligem und bald auch neuem Präsidenten Wladimir Putin geholfen haben, liegt da nahe.

Beide Neuerwerbungen Rybolowlews, so mutmaßen Insider, könnten auch geeignet sein, einen Teil des Vermögens des "Düngemittel-Königs" dem Zugriff seiner Gattin Jelena zu entziehen. Stuart Saft, ein New Yorker Immobilienanwalt, glaubt indes, dass es vor allem die restriktive Steuergesetzgebung der Stadt ist, die den russischen Milliardär dazu bewogen hat, die elegante Immobilie auf den Namen seiner Tochter eintragen zu lassen. "Eine Gesellschaft, die mit Jekaterina Rybolowlewa verbunden ist", habe den Kaufvertrag unterschrieben, hieß es in einer Erklärung.

Erbarmungsloser Scheidungskrieg

Das Ehepaar Rybolowlew, das seit 23 Jahren verheiratet ist, führt einen erbarmungslosen Scheidungskrieg, der vor einem Genfer Gericht ausgetragen wird. Ein Ende scheint nicht absehbar. Rybolowlews Noch-Ehefrau fordert nicht weniger als sechs Milliarden Dollar von ihrem Gatten. Der hat sich in den vergangenen Monaten nach Zypern zurückgezogen, auf die Insel, die russischem Kapital auf der Flucht in der Vergangenheit immer gerne ein Rückzugsterritorium geboten hat. Der russische Düngemittelkönig, der seine Anteile an seinem einstigen Unternehmen Uralkali inzwischen für 6,5 Milliarden Dollar verkauft hat, betätigt sich nun eher im Bankgeschäft. Unter anderem erwarb er Anteile an der Bank of Cyprus.

Der 45-jährige Dmitri Rybolowlew war in den wilden 90er-Jahren in Russland reich geworden. Er wurde 1966 in der Uralstadt Perm geboren, absolvierte dort das Medizinstudium mit Auszeichnung und war zeitweilig als Arzt in der Kardiologie tätig. Doch schon im dritten Studienjahr gründete er nebenbei das Kleinunternehmen Magnetics. Er versprach seinen Kunden, sie mithilfe des Magnetismus zu heilen. Zu Beginn der 90er-Jahre ging er zunächst ins Bankgeschäft, gründete eine Investmentgesellschaft und übernahm 1996 das Düngemittelunternehmen Uralkali. Im gleichen Jahr wurden Rybolowlew und sein Partner Schewzow wegen Mordes am Generaldirektor der Aktiengesellschaft Neftjechimik angeklagt. Rybolowlew, der den Verlust seines 40-prozentigen Anteils an Neftjechimik befürchtete, soll den Mord in Auftrag gegeben haben. Er saß elf Monate in Untersuchungshaft. Dann kam er gegen Zahlung einer Kaution frei. Ein gewisser Lomakin erhielt als Organisator der Bluttat eine langjährige Haftstrafe, der Auftraggeber wurde nie ermittelt.

Rybolowlews jüngste Immobilienerwerbungen, so spektakulär sie auch scheinen mögen, muten angesichts der Pläne eines anderen russischen Milliardärs geradezu zurückhaltend an. Michail Friedman, Begründer der Alpha-Gruppe, hat einen Investmentfonds ins Leben gerufen, über den er künftig bis zu einer Milliarde Dollar in das schwächelnde US-Immobiliengeschäft investieren will. Vor allem interessieren ihn die Städte Boston und Miami. Dem "Wall Street Journal" sagte Friedman, dass insbesondere nach den jüngsten Massenprotesten wegen der Wahlfälschungen in Russland "das Risiko der politischen und ökonomischen Instabilität" bestehe. Dagegen sei der amerikanische Immobilienmarkt vom Standpunkt der Regulierung und der Liquidität "der beste der Welt. Hier werden die Rechte der Investoren am besten geschützt", begründete er sein Engagement in den Vereinigten Staaten.