Carsten Maschmeyer

Erpressung per E-Mail

Er war über das Fernsehen auf ihn aufmerksam geworden. Da waren Villen zu sehen, in Hannover, wo Maschmeyers Firma ihren Sitz hat, und auf Mallorca. Und dann hatte er eine Idee: Irgendwie rankommen an das Geld.

Carsten Maschmeyer (52) ist einer der reichsten Männer Deutschlands, sein Vermögen, das er mit dem Finanzdienstleistungsunternehmen Allgemeiner Wirtschaftsdienst (AWD) gemacht hat, wird auf fast eine Milliarde Euro geschätzt. Vor allem seit der Finanzkrise kam der AWD in die Schlagzeilen, weil Unternehmen wie diesem unterstellt wird, dass sie ihr Geld mit Drückerkolonnen verdienen, die zumeist wenig informierten Menschen Geldanlagen verkaufen, die fast nie halten, was sie versprechen. Es hat sich inzwischen eine Interessengemeinschaft von Menschen gebildet, die von Maschmeyer geschädigt worden sein sollen.

Ob der Täter auch von Berichten dieser Art motiviert war, ist unklar. Die Idee jedenfalls, wie er Maschmeyer schädigen wollte, war deutlich plumper: Der 60-Jährige schrieb Maschmeyer eine E-Mail: Er werde ihm und seiner Freundin, der Schauspielerin Veronica Ferres, Gewalt antun. Er drohte damit, Maschmeyers 17 und 19 Jahre alte Söhne zu entführen. Es sei denn, er bekäme 2,5 Millionen Euro. Woher der Mann die Mail-Adresse von Maschmeyer hatte, ist noch Gegenstand der Ermittlungen.

Maschmeyer hatte dem Mann geantwortet und vorgegeben, auf dessen Forderungen einzugehen. Man einigte sich auf eine Summe und auf einen Übergabeort. Am Samstagabend sollte das Geld in einer Tasche in Münster deponiert werden.

Doch unmittelbar nachdem er am Mittwoch die erste Mail erhalten hatte, benachrichtigte Maschmeyer die Polizei. Umgehend wurden Beamte abgestellt, die Maschmeyer und seine Söhne bewachten. Unklar ist, ob der Erpresser wirklich die Absicht hatte, einen der Maschmeyers in seine Gewalt zu bringen. Denkbar ist, dass er leichte Beute machen wollte, ohne sich die Finger schmutzig zu machen.

Am Samstag deponierte Maschmeyer am verabredeten, von der Polizei aber nicht näher benannten Ort in Münster eine Tasche. Darin befanden sich laut "Bild"-Zeitung "echte Geldscheine", was offenbar nicht üblich ist. Die Staatsanwaltschaft konkretisierte am Montag im Gespräch mit dieser Zeitung, dass "nicht die gesamte geforderte Summe in der Tasche lag". Wie viel Bargeld sich tatsächlich darin befand, ist im Angesicht des weiteren Verlaufs der Ereignisse auch gar nicht so wichtig. Denn für die Polizei und Maschmeyer stand von Anfang an fest, dass der Täter mit dem Geld nicht weit kommen werde. Als er die Tasche an sich nehmen wollte, wurde der Mann von der Polizei überwältigt, zu Boden geworfen und festgenommen. Er soll nicht einmal Widerstand geleistet haben.

Mitleid und Zuspruch verweigert

Über den Erpresser selbst ist nur wenig bekannt, nur dass er wegen Betrugs vorbestraft ist. Die Tat hat er vor dem Haftrichter umfassend gestanden. Nun sitzt er in Untersuchungshaft und hat mit einer Anklage wegen versuchter räuberischer Erpressung zu rechnen. Das Strafmaß liegt zwischen einem und 15 Jahren. Die Tatsache, dass Gewalt und Entführung lediglich verbal stattfanden, wird sich nach Mitteilung der Staatsanwaltschaft "vermutlich strafmildernd auswirken".

Harmlos war die Tat jedoch nicht. "Jeden Erpressungsversuch, auch den angedrohten, muss man sehr ernst nehmen", sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Hannover, Irene Silinger. "Es war absolut richtig, dass sich Herr Maschmeyer an die Polizei gewandt hat."

Die letzten Tage dürften für die Maschmeyers und Veronica Ferres turbulent gewesen sein. "Bild" schrieb, sie hätten die "schlimmsten Tage ihres Lebens" durchgemacht. Überraschend sind die Reaktionen der Leser von Onlinemedien. Dem Opfer, Maschmeyer, wird hier fast durchgehend jede Form von Mitleid oder Zuspruch verweigert. Stattdessen überwiegt die Ansicht, Maschmeyer habe durch sein Verhalten als Unternehmer ebenfalls großen Schaden angerichtet. Tatsächlich ermittelt die Staatsanwaltschaft Wien seit einigen Wochen gegen Maschmeyer wegen schweren gewerbsmäßigen Betrugs.