Fernsehen

Wehe, es lacht keiner!

Die Deutschen sind wieder wer. Der wirtschaftliche Erfolg und die neue Führungsrolle in Europa haben Konsequenzen. Je ernster die Deutschen genommen werden, umso zwangsläufiger werden sie zur Zielscheibe für Spott und Hohn.

Im Mai dieses Jahres widmete sich die anarchische, bis über die Schmerzgrenze hinaus freigeistige Zeichentrickserie "South Park" den Deutschen. In der 211. Episode der mittlerweile weltweit mit fast jedem Preis für anspruchsvolle Fernsehunterhaltung ausgezeichneten Serie marschieren die Deutschen in einer Grundschule ein, um dagegen zu protestieren, dass ihnen ein geh- und sprechbehinderter Schüler bei seinen Comedy Awards den Preis für die unwitzigsten Menschen auf der Welt verliehen hat.

"The Germans" reagieren mit maximaler Humorlosigkeit. Eine hochrangige Abordnung von Spitzenpolitikern, angeführt von Angela Merkel und Christian Wulff, stürmt bewaffnet in die Grundschule, um die Schüler zu zwingen, ihr Votum zurückzunehmen. Die Kinder zittern. Der einzige Junge, der Deutsch spricht, ist ein ausgemachter Antisemit und bietet Wulff als Sündenbock Kyle an, einen "saftigen Juden". Spätestens hier dürfte am Sonntag, wenn diese Folge hierzulande gesendet wird, den meisten Zuschauern das Lachen im Halse stecken bleiben.

Der Auftritt der Deutschen folgt einer langen Tradition angelsächsischer Faszination für das genialisch Böse, für das Deutschland spätestens seit 1933 steht. Die Zeichentrick-Charaktere von Merkel, Wulff und Schäuble machen dort weiter, wo Christoph Waltz als SS-Standartenführer Hans Landa in dem Hollywood-Film "Inglourious Basterds" aufhörte: als eine sadistische Ansammlung von Intelligenz und Förmlichkeit, die humorfrei zum Perfekten strebt. Für diese Rolle erhielt Waltz den Oscar, und in dieser Auszeichnung schwang wohl auch eine Hin- und Hergerissenheit für diesen abgründigen Charakter mit, der am Ende mit den amerikanischen Nazijägern zusammenarbeitet. Landa spricht mehrere Sprachen fließend und verfügt über einen eisigen Charme, der hinter seiner Kultiviertheit stets die Bestie aufblitzen lässt. Ob in den schrillen Erotikfilmen von Russ Meyer, bei den sarkastischen Abenteuern der Simpsons oder in den Pointen amerikanischer Sitcoms, die Deutschen liefern weiterhin beste Pointen. Alle Monster verfügen in der Regel über einen Intellekt, der die Verbindung zum moralischen und humanitären Einmaleins verloren hat.

Mindestens eine deutsche Firma hat dieses Image längst für sich genutzt. VW bewarb den neuen Golf mit Spots, in denen ein deutscher Ingenieur hochgetunte Kisten amerikanischer Jugendlicher mit dem Schlagwort "Unpimp the Auto" zerstörte und dabei den Slang der Jugendkultur in gebrochenem Englisch sezierte. Darüber wurde weltweit gelacht und zur Kenntnis genommen, dass die Deutschen gelernt haben, über sich selbst zu lachen.

South Park: "Funnybot"; Sonntag, 22.30 Uhr auf Comedy Central