Fernsehen

Wie jetzt, Günther?

Es ist so eine Sache mit Spekulationen um "Wetten, dass..?". Einerseits sind sie schlecht, weil es ein bisschen so wirken könnte, als sei man ratlos, als würde man niemanden finden. Andererseits ist so was auch immer gut für die Quote.

War es nur ein schlauer Schachzug, was sich am Sonnabendabend im ZDF abspielte? In seiner letzten "Wetten, dass..?"-Show in Friedrichshafen hat Thomas Gottschalk nämlich vor laufenden Kameras seinen langjährigen Freund Günther Jauch gefragt, ob er Moderator der Sendung werden wolle. Jauch fragte, ob Frage und Antwort verbindlichen Charakter hätten. Nach kurzer Pause fügte er dann hinzu: "Und wenn ich's mir überlegen dürfte?" Thomas Gottschalk antwortete: "Ich geb' dir eine Nacht."

Daraufhin lud Jauch ihn in seine RTL-Sendung "2011! Menschen, Bilder, Emotionen" am Sonntagabend ein. "Du kommst zu mir in die Sendung, und ich sag's dir morgen Abend vor allen anderen", sagte Jauch. Darauf stießen sie mit ihren Gläsern an. In der vorgeschalteten ZDF-Sendung "Wetten, dass..? - Der Countdown" hatte Jauch gesagt, Gottschalks Nachfolger müsse "eine televisionäre eierlegende Wollmilchsau sein, die gibt es nicht". Andererseits gehe auch "Stern TV" weiter, nachdem er nach 20 Jahren gegangen sei.

Es mache Gottschalk "erfolgreich, dass er die Menschen wirklich mag", ein offenes Wesen habe, herzlich sei und gleichzeitig frech und bissig sein könne, aber nie verletzend. Mit seiner Authentizität sei Gottschalk für ihn "ein Riesenvorbild - nach wie vor", sagte Jauch. Er werde nicht weinen und erwarte keinen melancholischen, sondern fröhlichen Abend. Und so war es dann auch.

Im RTL-Jahresrückblick am späten Sonntagabend lehnte Jauch (der am Ende seiner Sendung in einem markant blauen Gottschalk-Anzug auftrat) die "Wetten, dass..?"-Nachfolge dann aber doch endgültig ab. Sehr zum Bedauern des anwesenden Publikums. Er sagte zu Gottschalk: "Ich glaube einfach, dass ich das nicht gut kann." Und obendrein passe ihm auch Gottschalks Kleidung nicht - was unschwer zu erkennen war. Damit reiht sich Jauch ein in die lange Liste der Absager der vergangenen Wochen: Jörg Pilawa, Markus Lanz, Barbara Schöneberger, Anke Engelke. Sogar Johannes B. Kerner wurde zuletzt mehrfach genannt. Die Nachfolgersuche scheint zunehmend rastloser zu werden. Fest steht auf jeden Fall: Das ZDF hat eine wirklich große Aufgabe.