Gottschalks Garderobe

Tunika und Schottenrock

Viel brennender als die Frage, wer Thomas Gottschalk bei "Wetten, dass..?" folgt, ist für uns, ob seine Brokat-Gehröcke, Kilts, Kaftane und Spitzenjabots erhalten bleiben und, wenn ja, an welcher Stelle.

Verstehen Sie uns nicht falsch: Wir finden Tommy und seine Thea nicht immer besonders stilsicher, würden aber in der deutschen TV-Öffentlichkeit gerne mehr und öfter von solch unbedingtem Individualismus unterhalten werden als von den gähnend-langweiligen Graumausanzügen der Privatsender-Matadoren - diese werden an Abwechslung ja nur durch den ewigen Blazer der Kanzlerin unterboten.

Eigenen Stil zur Schau tragen ist so eine Sache in Deutschland - mit dem Gleichschritt zum Zeppelinfeld wurde auch die Gleichmacherei in der Kleidung eingeführt und jegliche Exzentrik, von der es damals in Deutschland und besonders in Berlin weiß Gott genügend gab, buchstäblich ausgemerzt. Davon haben sich die Deutschen immer noch nicht erholt - bis heute wird jeder schief angeguckt, der mit seinem Outfit aus der Reihe tanzt, der Oberflächlichkeit und intellektuellen Minderbemittelung bezichtigt. Was musste der arme Philipp Rösler sich kürzlich alles anhören, nur weil er der Eröffnung eines exaltierten Krawattenladens beigewohnt hat.

Man muss aber gar nicht mal als bunter Hund auftreten, um das neugierige Mitleid seiner Mitbürger auf sich zu ziehen: Laufen Sie mal halbwegs smart gestylt durch die Fußgängerzone von Kassel oder Ulm - wenn Sie bisher die Bedeutung des Wortes "Anstarren" nicht kannten, lernen Sie sie hier. Unter uns: Wir Designer fragen uns andauernd, wo bitte schön die vielen Kleider getragen werden, die wir hierzulande massenhaft verkaufen. Viele Kollegen berichten allerdings auch, dass gerade ihre aufregendsten Kreationen so gut wie nie nach Deutschland verkauft werden.

Deutschland braucht deshalb noch lange Menschen wie Thomas Gottschalk. Vielleicht gelingt es ihm ja sogar, mit seinem Feinsinn, den er unzweifelhaft hat, wenn man ihm im privaten Umfeld begegnet, Subtilität in seinen Kleidungsstil zu bringen. Dann lassen wir uns von ihm vielleicht sogar mal für eine ganze Kollektion inspirieren.

Adrian Runhof und Johnny Talbot haben 2000 gemeinsam das Label Talbot Runhof gegründet. Seit 2006 gehören die Kreationen der beiden Designer zum festen Bestandteil der Pariser Modewoche