Justiz

Prozessauftakt zur "Haussklavin" von Haßmersheim

Todesdrohungen, Schläge und sexuelle Übergriffe - rund neun Monate soll das Martyrium einer jungen Frau gedauert haben. Seit Donnerstag muss sich ein Ehepaar aus Haßmersheim (Neckar-Odenwaldkreis) vor dem Landgericht Mosbach verantworten, weil es die Frau als "Haussklavin" gehalten und misshandelt haben soll.

Der 51-jährige Mann und seine 46 Jahre alte Ehefrau hätten die junge Frau wie eine Leibeigene behandelt und durch "ein Herrschafts- und Gewaltverhältnis" eingeschüchtert, um ihre Flucht zu verhindern, sagte die Staatsanwältin zum Prozessauftakt.

Das arbeitslose Paar muss sich wegen gemeinschaftlicher Geiselnahme sowie gefährlicher Körperverletzung beziehungsweise Beihilfe dazu verantworten. Dem Mann wird zudem sexuelle Nötigung zur Last gelegt. Zu den Vorwürfen sollen die beiden erst am zweiten Prozesstag am kommenden Montag Stellung nehmen. Insgesamt sind vier Verhandlungstage angesetzt. Der Staatsanwaltschaft zufolge bestritt das Paar bei seinen Vernehmungen die Vorwürfe.

Die junge Frau - eine Internetbekanntschaft des Sohnes - war im März 2010 freiwillig zu der Familie gezogen. Spätestens im September, so die Anklage, habe das Paar den Beschluss gefasst, sie so einzuschüchtern, dass sie nicht fliehen würde. Der Angeklagte habe seine sadistischen Neigungen an der heute 21-Jährigen ausleben können. Er soll die junge Frau geschlagen, sexuell genötigt und gedroht haben, ihr bei Fluchtversuchen den Kopf abzuschneiden. Laut Anklage durfte die junge Frau das Haus nur in Begleitung von Familienmitgliedern verlassen. Im Juni schließlich gelang ihr die Flucht.