USA

"Sheriff des Jahres" nach Drogenhandel im Gefängnis

Der Job des Sheriffs genießt in den USA besonders auf dem Land ein hohes Sozialprestige. Wie hoch es ist, das beweist schon die Tatsache, dass jährlich der "Sheriff des Jahres" gekürt wird, ein absoluter Held, ein edler Kämpfer gegen das Verbrechen als solches, dessen blütenreine Weste auch nicht den geringsten Fleck vorweist.

So porentief rein wirkte lange Zeit auch Patrick J. Sullivan. Sein rücksichtsloser Feldzug gegen Drogen aller Art brachte ihm 2001 den begehrten Titel ein, sogar ein Gefängnis wurde nach ihm benannt.

Das trifft sich ausgezeichnet, denn jetzt sitzt der 68-Jährige selbst ein - und zwar in der Strafanstalt, die seinen Namen trägt. Die "Denver Post" berichtet, Sullivan befinde sich in Centennial im Bundesstaat Colorado in Untersuchungshaft und soll sich wegen versuchten Verkaufs von Methamphetaminen - das auf der Straße als Meth oder Chrystal bezeichnet wird - vor Gericht verantworten. Was die Sache nicht besser macht: Die Anklage wirft ihm vor, einem Mann das Rauschgift im Gegenzug zu Sex angeboten zu haben, wobei sich die Amerikaner jetzt aussuchen dürfen, was davon sie am unappetitlichsten finden. Der "Denver Post" zufolge setzte der zuständige Richter in Centennial die Kaution für Sullivan auf 500 000 Dollar fest. Kann er sie nicht aufbringen - und reich macht einen der Beruf des Sheriffs nicht -, bleibt er zumindest bis zum Prozess Gast in der Patrick J. Sullivan Jr. Detention Facility.

Eine Nachricht, auf die die Bewohner von Arapahoe County fassungslos reagierten. Von 1984 bis 2002 war Sullivan der Sheriff des Bezirks. 1989 hatte er mit einem Jeep den Gartenzaun eines Hauses durchbrochen, um zwei Hilfssheriffs und einen Jungen aus der Gewalt eines Geiselnehmers zu befreien. Und was immer an den nun erhobenen Vorwürfen dran ist: So viel Publicity wie jetzt hatte Sullivan selbst als strahlender Held nicht.