Kindersextourismus

Deutscher in USA als Kinderschänder verurteilt

Es war ein perfides Angebot, das amerikanische Ermittler ins Internet gestellt hatten: Ein elfjähriges Mädchen konnte man dort für einen sexuellen Missbrauch buchen - acht Stunden für 1150 Dollar (gut 800 Euro). Männer aus der ganzen Welt meldeten sich, darunter auch ein 50-jähriger Arzt aus Albstadt (Zollernalbkreis).

Peter B. und drei weitere Männer reisten in die USA und wurden festgenommen. Ein Gericht in Cleveland im US-Bundesstaat Ohio hat Peter B. nun zu fast 18 Jahren Haft wegen versuchten Kindesmissbrauchs verurteilt. In Deutschland wären sowohl solche Ermittlungsmethoden als auch ein so hohes Strafmaß undenkbar.

Vor zwei Jahren entschlossen sich die US-Ermittler, im Kampf gegen Kindersextourismus zu einem außergewöhnlichen Mittel zu greifen. Statt die Szene nur zu beobachten, griffen sie aktiv ein: Sie boten das elfjährige Mädchen an, das es in Wahrheit nie gab. Als Peter B. sein Interesse bekundete, entwickelte sich über Monate hinweg ein reger Mail-Austausch. Als Vermittler getarnt, fragten die Fahnder den Mann, was er mit dem Mädchen vorhabe, und dokumentierten es. Schließlich empfahlen sie ihm, alles einzupacken, was er für das Mädchen brauchte, und in die USA zu kommen. Dadurch fanden sie bei seiner Festnahme in seinem Gepäck unter anderem Beruhigungsmittel, Fesseln und Sexspielzeug - für die Ermittler genügend Beweismaterial.

Bei dem Mann soll es sich nach einem Bericht von "Bild.de" um einen Militärarzt handeln, der nach eigenen Aussagen bei Nato-Einsätzen im Kosovo und Afghanistan dabei war. Vor Gericht habe er unter Tränen über seine beiden Söhne gesprochen, die er wieder "als Vater und nicht als Häftling" in die Arme nehmen wolle. Und von dem "Gefühl der Schande", das er empfinde.

Deutsche Juristen üben Kritik

Einige deutsche Juristen kritisierten die Vorgehensweise der Ermittler. Schließlich hätten sie zu einer Straftat verleitet. Der zuständige Staatsanwalt in Cleveland, Steven Dettelbach, sagte dazu: "Die Einzelheiten dieses Falls zeigen, wie weit Menschen gehen, um solche entsetzlichen Verbrechen zu begehen."

In Deutschland wäre eine solche Ermittlungstaktik aber auch aus anderem Grund nicht möglich, sagte Hans-Georg Koch, Experte für Strafrecht am Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht in Freiburg: Nach deutschem Recht hätte sich der Mann allein durch den Kontakt zu dem vermeintlichen Kindersex-Vermittler noch gar nicht strafbar gemacht, sondern "erst, wenn er mit dem Kind selber Kontakt aufgenommen hätte". Aber das Kind existierte ja in Wahrheit nie.

Dass der Arzt in Deutschland wohl gar nicht verurteilt worden wäre, in den USA aber für 17 Jahre und sieben Monate ins Gefängnis muss, zeige die großen Unterschiede im deutschen und im amerikanischen Rechtssystem, betont Emily Silverman, USA-Expertin des Instituts. "Es ist eine Tatsache, dass die Strafen in den USA viel härter sind als hier in Deutschland." Anders als in Deutschland gehe es dort im Rechtssystem weniger darum, einen Straftäter zu rehabilitieren. Ein zentrales Ziel der hohen Strafen bestehe dagegen darin, die Gesellschaft vor den Tätern zu schützen.