Verkehr

Das Auto soll wissen, wann Nebel kommt

Es ist der Albtraum jedes Autofahrers. Man fährt ohne zu rasen auf der Autobahn, will einen Lkw überholen. Und plötzlich raubt sie einem jede Sicht: eine Nebelwand. So ist es 24 Lkw- und Pkw-Fahrern vor genau einer Woche auf der A 9 von Berlin nach München ergangen, im Landkreis Potsdam-Mittelmark.

Acht Lkws und 16 Pkws rasten ineinander, zwei Tote und neun Schwerverletzte waren zu beklagen. Vielleicht hätte man diese Massenkarambolage schneller zu den Akten gelegt, wenn nicht drei Tage zuvor eine noch größere Unfallserie auf der A 31 im westfälischen Münsterland die Republik schockiert hätte. Bei dichtem Nebel waren zwei Wagen aufeinandergeprallt. Die Situation geriet außer Kontrolle, als ein Lkw auf das Stauende raste und Fahrzeuge ineinander schob. Drei Menschen starben, 35 wurden zum Teil schwer verletzt.

Eine unvermeidbare Verkettung von Zufällen? Oder doch ein Unglück, das hätte verhindert werden können? Solche Fragen beschäftigen Michael Schreckenberg. Der Professor für Physik von Transport und Verkehr an der Uni Duisburg-Essen ist einer der bekanntesten deutschen Verkehrsforscher. Von ihm stammt das schöne Zitat: "Das größte Verkehrsrisiko ist der Mensch." Der 55-jährige Wissenschaftler könnte stundenlang darüber spekulieren, warum nicht alle Autofahrer beim Anblick einer Nebelwand das tun, was nach seiner Einschätzung das einzig Richtige ist: nämlich "abbremsen, aber nicht abrupt. Auf den Seitenstreifen fahren, damit eine Gasse für Hintermänner bleibt, die nicht so schnell bremsen konnten - und natürlich für Rettungsfahrzeuge. Und sich im Fall einer Massenkarambolage hinter der nächsten Leitplanke in Sicherheit bringen."

Doch noch mehr interessiert sich der passionierte Autofahrer für die Unfallquellen. "Jeder reagiert anders, und das ist fatal in solch einer Situation." Der größte Risikofaktor für eine Massenkarambolage seien "widrige Wetterbedingungen mit schlechter Sicht". Dazu gehört nicht nur Nebel, sondern etwa auch heftiger Wind. Wie jener, der am 8. April dieses Jahres Sand von Feldern an der A 19 bei Rostock aufwirbelte und Autofahrern die Sicht raubte. Mehr als 80 Fahrzeuge rasten ineinander. Auch hochspritzendes Wasser und eine tief stehende Sonne zählen zu den Risikofaktoren. Wie Nebelbänke seien solche Unfallquellen lokal begrenzt und deshalb kaum vorhersehbar. Schreckenbergs Lösung für das Problem: "Wir können das Auto mit Sensoren für Bodenfrost, Regen und Nebel zur mobilen Wetterstation aufrüsten und die Informationen an andere Verkehrsteilnehmer weiterleiten."

Glaubt man Schreckenberg, dann wird das Auto der Zukunft weiterhin von Menschen gesteuert. Es ist aber mit einem internetfähigen Bordcomputer ausgestattet. Wenn auf einer Autobahn eine Nebelbank erscheint, erfährt es der Fahrer nicht erst, wenn er schon im Begriff ist hineinzurasen - sondern im besten Falle schon einige Minuten vorher von Verkehrsteilnehmern aus der entgegengesetzten Richtung.