Prozess

Ströbele und das Fischfutter

Anfang August ging der Berliner Bundestagsabgeordnete Ströbele mit seiner Frau im Weinheimer Waidsee baden. Über diesen Ausflug berichtete der lokale Blog Heddesheimblog. Denn die beiden, so hieß es, hätten an einer Stelle gebadet, wo es nicht erlaubt sei.

Genau dort angelten jugendliche Mitglieder eines Anglervereins. Um Fische anzulocken, schossen sie mit einer speziellen Futterschleuder "Boilies" ins Wasser. Diese Kugeln können je nach Machart sehr hart sein. Eine von ihnen, so der Heddesheimblog, traf Ströbeles Frau Juliana Ströbele-Gregor.

Der Politiker soll daraufhin "sehr zornig" gewesen sein. Er habe den Jungen die Schleuder abgenommen und mit einer Anzeige gedroht, obwohl die Kinder sich entschuldigten und zwei sie begleitende Erwachsene versuchten, die Situation zu entschärfen. Am folgenden Tag wurde dann Anzeige erstattet - von Juliana Ströbele-Gregor, im Beisein ihres Mannes wegen "gefährlicher Körperverletzung mittels einer Waffe". Allerdings war der Angezeigte erst 13 Jahre alt und damit strafunmündig.

Die Anzeige aber hatte der Heddesheimblog - basierend auf Informationen der Staatsanwaltschaft Mannheim - anders dargestellt. Ströbele selbst habe die Anzeige erstattet, nicht seine Frau. In der Folge ließ Ströbele den Heddesheimblog abmahnen. Blog-Betreiber Hardy Prothmann soll eine Unterlassungserklärung abgeben, wonach er 10 000 Euro zahlen müsste, würde er erneut behaupten, dass Ströbele Anzeige erstattet hat. Die Anwaltskosten für die Unterlassungserklärung, die von dem Berliner Rechtsanwalt Johannes Eisenberg kommt, soll Prothmann nun übernehmen: 775,64 Euro.

Prothmann wehrt sich: mit weiteren Veröffentlichungen auf seinem Blog und einem Spendenaufruf. Das Interesse an der "Fischfutter-Affäre" war in den vergangenen Tagen aber derart groß, dass die Internetserver des Heddesheimblogs zusammenbrachen. Um die 775,64 Euro Rechtsanwaltskosten muss sich Prothmann vorerst auch keine Gedanken machen: Sascha Pallenberg, der deutsche Gründer des Informationsdienstes Netbooknews.com mit Sitz in Taiwan, hat sich via Facebook bereit erklärt, die Kosten zu übernehmen.

Hans-Christian Ströbele wiederum rechtfertigt sein Vorgehen damit, dass es niemanden etwas angehe, wo er im Urlaub schwimmt. "Ich habe heddesheimblog.de abmahnen lassen, weil ich zum einen der Auffassung bin, dass Ereignisse privater Natur in meinem Urlaub, in die meine Frau verwickelt ist, in der Öffentlichkeit nichts zu suchen haben", sagte Ströbele der Berliner Morgenpost. Außerdem habe der Blog "einige Dinge unrichtig und bagatellisierend dargestellt".

Jetzt sieht sich Ströbele öffentlicher Kritik ausgesetzt. Bei Facebook etwa postete jemand: "Herr Ströbele, lernen Sie erst mal Deeskalation im Umgang mit Kindern! Sie machen sich dermaßen LÄCHERLICH!" Und: "Ich lach mich grad tot, dass ausgerechnet Sie freie Berichterstattung verlangen."