Musik

Berlusconis wahre Liebe

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Martin Zöller

Es gibt in der Musikgeschichte Liedtexte, bei denen es Glaubenskriege darum gibt, was eigentlich gemeint ist - haben die Beatles in "Lucy in the Sky with Diamonds" LSD verherrlicht?

Oder: Gibt es eine satanische Botschaft in "Stairway to heaven" von Led Zeppelin? Diskussionen von ähnlicher Brisanz sind von einer CD zu erwarten, die nun in den Musikläden von Bozen bis Palermo ausliegt. Sie heißt "Il vero amore" - "Die wahre Liebe" - und die Texte stammen von Italiens Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi.

"Ein weiterer Tag mit Wind und Regen, eine weitere Nacht ohne Dich." Mit diesen anrührenden Worten beginnt - nach einigen Takten melancholischer Klaviermusik - Lied drei auf der CD. Hmm, fragt man sich da als Zuhörer: Welche Erlebnisse hat Silvio Berlusconi damit verarbeitet? Man macht sich an die Auslegung und findet etwa das Datum des 11. Januar 2011: Staatsbesuch Berlusconis an einem kalten, nassen Wintertag in Berlin - "ein Tag mit Wind und Regen", anstrengende Gespräche mit Bundeskanzlerin Merkel statt "einer weiteren Nacht" mit Ruby und den Bunga-Bunga-Freundinnen. Das könnte passen. Schnell weiterklicken! Sind ja schließlich neun Lieder auf der CD. Silvio Berlusconi und die Musik - das ist bis heute die einzige Beziehung, welcher der "Cavaliere" wirklich die Treue gehalten hat.

Bis heute heißt es, dass Berlusconi an eine Karriere als Sänger gedacht hat, bevor er die Laufbahn als Medienunternehmer und Politiker einschlug - er sang erfolgreich auf Kreuzfahrtschiffen im Mittelmeer. In der Folge soll ihn seine Band rausgeworfen haben, weil er wegen seiner zahlreichen Verehrerinnen zu viele Auftritte verpasste. So nahm Berlusconi die Musik mit in die Politik. 2008 zog er mit dem Lied "Meno male che Silvio c'è" in den Wahlkampf - "Zum Glück gibt es Silvio". Man muss zugeben: Dieses Lied ist ein Ohrwurm, der nicht mehr weggeht, hat man es einmal gehört.

Lied neun - zeigt dies die Zielstrebigkeit Berlusconis? Kann es erklären, wie er zum reichsten und zeitweise mächtigsten Mann Italiens wurde? "Ich beeile mich, du weißt gar nicht, wie sehr", schreibt Berlusconi da, "meine Straße führt immer zu dir." Es ist bezeichnend, dass keine Frauenstimme antwortet - was Berlusconi will, erreicht er auch ohne ein "Ja": "Du küsst meinen Mund und meine Hände - und ich will nicht, dass es irgendwann Morgen wird. Ich lege meine Hände auf deine Schenkel. Ich vergöttere dich - und doch fehlst du mir schon." Eins kann man Silvio Berlusconi nicht vorwerfen: Er macht kein Geheimnisse aus seinen Gefühlen.

Der Mann, der in Noten umsetzt, was Silvio Berlusconi schreibt, ist Mariano Apicella. "Berlusconi versteht es, seine Gefühle in Wörter umzusetzen. Er ist ein sehr guter Texter." Apicella, 49 Jahre alt, stammt aus einer Musikerfamilie. Als 18-Jähriger war er als Alleinunterhalter durch Ägypten, Saudi-Arabien, China und Südkorea gereist, bis er in den neunziger Jahren als Hausmusiker im Hotel Vesuvio in Neapel landete.

Im Mai 2001 traf er dort auf den Mann, der ihn in ganz Italien berühmt machen sollte: Silvio Berlusconi. "Für mich war es ein großes Glück. Berlusconi kam auf die Bühne und sagte: Darf ich mich vorstellen? Im Grunde sind wir Kollegen."