Benno Fürmann

"Nicht während laufender Filmaufnahmen"

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Claudia Becker und Christoph Wenzel

Es ist kurz vor 15 Uhr. Ein 39-jähriger Berliner fährt mit seinem Mercedes in der Nähe von Starnberg auf einer Verbindungsstraße zwischen der Autobahn 95 und der Staatsstraße 2065. An der Staatsstraße will er zunächst nach rechts abbiegen, entschließt sich dann aber kurzfristig anders und biegt nach links ab.

Dabei übersieht er einen von links kommenden 35-jährigen Fiatfahrer aus Starnberg. Der versucht noch nach links auszuweichen, stößt aber mit seinem Auto vorne rechts gegen den Mercedes. Er kommt von der Straße ab, stößt ungebremst gegen einen Baum. Durch die Wucht des Aufpralls wird der Motorblock des Fiats bis zur Mittelkonsole durchgedrückt. Die Insassen des Mercedes befreien den Fiatfahrer aus seinem Fahrzeug. Ein Notarzt bringt den 35-Jährigen mit schweren Verletzungen, unter anderem einem Bruch im Bereich des Brustkorbs und einer Gehirnblutung, in ein Krankenhaus nach München. So schildert der Bericht der Münchner Polizei einen schweren Verkehrsunfall, der am Freitag, dem 11. November, geschehen ist.

Frank Schuster ist ein Erfolgsmensch, er lebt "auf der Überholspur". Doch ein Verkehrsunfall stellt sein Leben auf den Kopf, er steigt aus seiner Firma aus. So schildert die ARD den Inhalt ihrer Komödie "Weniger ist mehr", die seit Mitte Oktober in München und Umgebung in ihrem Auftrag gedreht wurde.

Was den realen Polizeibericht und das erdachte Drehbuch wohl verbindet, ist Benno Fürmann. Er spielt Frank Schuster, die Hauptrolle in der Komödie - und er ist offenbar der Fahrer des Mercedes gewesen, als am Nachmittag des 11. Novembers der schwere Unfall südwestlich von München passiert, bei dem der 35-jährige Florian P. schwer verletzt wird.

Die "Bild"-Zeitung fragt daher: "Passierte der Horror-Unfall bei Dreharbeiten?" Schließlich sei Fürmann selbst gefahren. Zudem habe Fürmann unmittelbar nach dem Unfall eine Halskrause getragen, habe Schrammen und ein blaues Auge gehabt - obwohl er bei dem Unfall nicht verletzt worden sei. Daher sei er geschminkt gewesen.

Die Maske deutet die "Bild" als Hinweis auf einen laufenden Dreh. Das aber würde bedeuten, dass Dreharbeiten auf einer ungesperrten Straße stattgefunden hätten. Insider aus der Filmbranche bezweifeln das jedoch. "Absperrungen sind das A und O", sagt beispielsweise Regina Ziegler, die mit ihrer Firma Ziegler Film seit 1973 über 400 Kino- und Fernsehfilme, Dokumentationen und Fernsehserien produziert hat. "Ohne Absperrungen läuft bei uns nichts. Die kosten natürlich Geld - aber das ist in den Produktionskosten eingeplant." Doch nicht nur die Branche, auch die Unfallermittler der Münchner Polizei widersprechen der Theorie von Filmaufnahmen zum Unfallzeitpunkt: "Der Unfall ist nicht während laufender Filmaufnahmen passiert", sagte Sprecher Gottfried Schlicht der Berliner Morgenpost. Auch auf die Beobachtung eines Augenzeugen, der laut "Bild" angibt, dass in dem Mercedes eine Kamera gewesen sei, überrascht die Münchner Ermittler. "Das höre ich jetzt zum ersten Mal", sagt Schlicht.

Markus Reichert, Brandrat des Landkreises Starnberg und aktiver Feuermann, der als einer der Ersten an der Unfallstelle war, weiß ebenfalls nichts von einer angeblich im Wagen gefundenen Kamera. "Ich habe keine Kamera gesehen", sagt er. "Ich gehe gewöhnlich mit sehr wachem Blick zu einer Einsatzstelle."

Außer Lebensgefahr

Auch die Vermutung einer fehlenden Genehmigung lässt sich kaum erhärten: Es habe zwar Filmaufnahmen am 11. November in der Umgebung von Starnberg gegeben. Aber: "Die Dreharbeiten waren ganz normal und wie üblich durch die Produktionsfirma angemeldet", sagt Augustin Ullmann, Leiter des Amts für öffentliche Sicherheit in Starnberg. Die Münchner Polizei ermittelt nun gegen den Unfallverursacher wegen fahrlässiger Körperverletzung. Das ist jedoch ein Routinevorgang, der beginnt, sobald die Polizei am Unfallort eintrifft, wie Gottfried Schlicht erklärt. Zumal der Unfallverursacher "kooperativ" die Ermittlungen unterstütze.

Auch Anneliese P., die Mutter des Unfallopfers Florian P. aus Wangen, berichtete der "Bunten", dass Fürmann "vorbildlich reagiert" habe. Er würde jeden Tag anrufen und sich nach dem Sohn erkundigen. Florian P. sei außer Lebensgefahr. Sie wisse allerdings nicht, wie lange er noch an den Folgen des Unfalls leiden würde und inwieweit Florian P., der infolge des Unfalls an Gehirnblutungen litt, wieder ganz genesen würde. Der Betriebswirt Florian P. arbeitete in der Buchhaltung einer Anwaltskanzlei. Zum 1. Dezember wollte er ans Goethe-Institut wechseln.