Reemtsma-Entführer

Der Schwerverbrecher und die Schlafbrille

Der Reemtsma-Entführer Thomas Drach hat zum Auftakt des neuen Prozesses gegen ihn alle Vorwürfe von sich gewiesen.

Die Verhandlung sei "albernes Theater", sagte der 51-Jährige, die Briefe "eine familieninterne Angelegenheit". Drach soll aus der Haft heraus versucht haben, seinen Bruder erpressen zu lassen. Dabei geht es um die Millionen, die Drach 1996 mit der Entführung des Hamburger Millionärs und Sozialforschers Jan Philipp Reemtsma erpresst hat. Die Verteidigung forderte die Einstellung des Verfahrens, es bestehe "kein hinreichender Tatverdacht".

Der Beginn der Verhandlung verzögerte sich um zwei Stunden, weil sich Drach weigerte, bei der Fahrt vom Gefängnis zum Gericht eine Augenbinde zu tragen. Die Sicherheitsanordnungen grenzten an "Menschenunwürdigkeit", sagte Drachs Anwalt Helfried Roubicek. Für seinen Mandanten sei die Schlafbrille "eine Schikane". Drach wurde dann schließlich mit Handschellen gefesselt in den Gerichtssaal gebracht. Er kam in einer schwarz-grauen Wetterjacke, mit kurz geschorenem Haar und ohne Brille.

Entgegen der Ankündigung der Verteidigung sagte Drach vor Gericht aus - und gab sich weiterhin sicher, die Kontrolle über das verschwundene Lösegeld zu behalten. Welche Absprachen er mit seinem Bruder habe, werde das Gericht nicht erfahren: "Das haben Sie in den 15 Jahren nicht erfahren, und das werden Sie auch heute nicht erfahren." Rund 6,5 Millionen Euro aus dem Lösegeld sollen nach Informationen einer Sicherheitsfirma zurzeit in einem Bankschließfach in Spanien deponiert sein.

Nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft schrieb Drach im Februar 2009 zwei Briefe, die von den Behörden abgefangen wurden. In einem Brief an einen Freund stand: "Wenn du nichts zu tun hast, dann fang mal meinen Bruder ab. Er hat sechs Monate Zeit, 30 Millionen Euro zu besorgen." Und: "Ich traue der Ratte nicht. Der soll auf keinen Fall noch mal auf meine Kosten leben." Auch seiner Mutter schrieb Drach: "Ich will nicht, dass die Ratte auch nur einen Euro von meinem Geld ausgibt." Drachs Bruder war verurteilt worden, weil er einen Teil des Lösegeldes aus der Entführung gewaschen hat. Er ist mittlerweile wieder auf freiem Fuß.

Auf die Fragen der Richterin antwortete Drach oft flapsig. "Ich kann in den Briefen nichts sehen, was auf eine Straftat hindeutet", sagte er zum Beispiel. Sein Verteidiger argumentierte, die Briefe seien lediglich Ausdruck des krassen Sprachgebrauchs innerhalb der Familie Drachs. Drach habe damit Dampf abgelassen. Weder der im Ausland lebende Freund noch Drachs Mutter kämen als Täter infrage. Auch das angebliche Opfer, der Bruder Drachs, habe sich nicht bedroht gefühlt.

Seine Strafe für die Entführung des Zigarettenkonzern-Erben Reemtsma hat Drach eigentlich im Juli 2012 abgesessen. Wird er jetzt erneut verurteilt, müsste er noch länger im Gefängnis auf seine Freilassung warten. Auch die Anordnung einer Sicherungsverwahrung ist möglich. Dann käme er nie mehr an das Geld.