Nachwuchs

Frankreich erwartet das Präsidenten-Baby

Es ist nur ein unscheinbares Haus in einer kleinen Straße. Und doch befindet sich das Gebäude im vornehmen 16. Arrondissement von Paris schon seit Tagen im Belagerungszustand. Fotografen, Journalisten und Kamerateams harren Tag und Nacht davor aus.

Immerhin befindet sich hier die Privatklinik La Muette, in der Stars wie Charlotte Gainsbourg oder andere Persönlichkeiten wie Ex-Justizministerin Rachida Dati ihre Kinder zur Welt gebracht haben. Jetzt soll Frankreichs First Lady, das ehemalige Topmodel Carla Bruni-Sarkozy, hier entbunden werden.

Frankreich fiebert dem Präsidenten-Baby entgegen, dem ersten Kind, das während der Amtszeit eines Staatsoberhaupts geboren werden soll. Die Polizei hat einen Sicherheitsbereich rund um die Privatklinik errichtet. Vor dem Eingang sind inzwischen diskrete Wachmänner positioniert, die Presse muss mindestens 200 Meter Abstand halten.

Die Geburt - Gerüchten zufolge per Kaiserschnitt - steht angeblich ganz kurz bevor. Staatspräsident Nicolas Sarkozy, der sich seit Monaten im Dauerumfragetief befindet, hat sich diesmal Zurückhaltung aufgelegt. Denn die öffentliche Zurschaustellung seines Privatlebens zu Beginn seiner Amtszeit kam bei vielen Wählern gar nicht gut an. Der Elysée-Palast veröffentlichte denn auch noch nicht einmal ein Kommuniqué, um die Schwangerschaft Carla Brunis zu bestätigen. Auch zur Geburt soll es keine offizielle Ankündigung und keine Fotos geben. Sie wolle nicht über die bevorstehende Geburt sprechen, erklärte Frau Bruni jüngst in einem Interview. Denn sie sei abergläubisch. Und außerdem interessiere ihre Schwangerschaft die Franzosen doch gar nicht, gab sie sich ganz bescheiden.

Doch die vermeintliche Zurückhaltung steigert die Neugier umso mehr. Zudem konnte sich das Präsidentenpaar bei der Inszenierung seiner neuen Diskretion bisher stets auf Sarkozys Vater Pal verlassen. Schließlich plauderte der bereits aus, der 3. Oktober stehe als Stichtag für die Geburt fest. Seitdem überschlagen sich im Internet die Meldungen. Laut Twitter müsste das Präsidentenbaby bereits mehrfach zur Welt gekommen sein. Als ein Komiker im französischen Radio scherzte, die First Lady habe eine neue Nase bekommen, meldeten mehrere ausländische Medien prompt fälschlicherweise die Geburt.

Bis auf das Geschlecht des Babys kamen trotz der angeblichen Zurückhaltung bisher fast alle Informationen ans Licht. So berichtete das Magazin "Paris Match", das Kinderzimmer in Brunis Wohnung sei bereits fertig eingerichtet. Damit der Säugling in der Nähe seiner Eltern schlafen könne, sei Brunis zehnjähriger Sohn Aurélien extra umgezogen. Und die First Lady verriet Schulkindern vor ein paar Wochen, sie warte sehnsüchtig auf das Ende der Schwangerschaft. Sie könne nicht mehr, sagte sie. "Ich soll nur noch sitzen oder liegen, nicht rauchen, keinen Wein trinken."

Für das Präsidentenpaar ist das Baby das erste gemeinsame Kind. Bruni hat bereits einen Sohn mit dem Philosophen Raphael Enthoven, der 56-jährige Sarkozy insgesamt drei Söhne und sogar einen Enkelsohn.