Tagebuch einer Gefangenen

"Amanda Knox wird ein großes Ding"

Die Jahre in Italien haben in mehrfacher Hinsicht Spuren bei Amanda Knox hinterlassen. In ihrer amerikanischen Heimatstadt Seattle stellte sie sich am Flughafen vor die Kameras, wollte beginnen, stockte.

Sie drehte sich nach hinten um, wo ihre Familie stand, rief dann lächelnd: "Sie erinnern mich daran, Englisch zu sprechen. Ich habe nämlich Probleme damit." Die auf Italienisch gehaltene Unschuldsbeteuerung vor dem Berufungsgericht fiel ihr, scheint es, leichter als die Willkommensrede.

Die 24-Jährige landete am Dienstag in ihrer Geburtsstadt. Sie sei "überwältigt", sagte Knox. Zuschauer hielten Plakate mit der Aufschrift "Willkommen daheim, Amanda" hoch. Unter Tränen bedankte sie sich bei allen, "die an mich geglaubt haben, die mich verteidigt haben und die meine Familie unterstützt haben".

Experten spekulieren unterdessen bereits darüber, wie viel Geld Knox mit ihrer Geschichte verdienen könnte. In den USA ist die Studentin längst ein Medienstar. "Amanda Knox wird ein großes Ding, weil sie so jung ist und so amerikanisch aussieht", sagt die Literaturagentin Charlotte Gusay aus Los Angeles. Allein mit den Buchrechten könnte Knox ihrer Einschätzung nach bis zu 1,5 Millionen Dollar verdienen.

Offenbar hat Knox während der Zeit im Gefängnis Tagebuch geführt. So soll ein Gefängniswärter Knox wiederholt über ihre Sexualverhalten befragt haben. Er sei regelrecht besessen gewesen, habe ständig etwas über ihre bisherigen Liebhaber wissen wollen und sie für "Plaudereien" in sein Büro kommen lassen. In Perugia hat sich das Berufungsgericht gegen Vorwürfe gewehrt, der Freispruch für Knox sei auch unter dem Druck von Medien zustande gekommen. "Wir haben das Urteil im Namen des italienischen Volkes gesprochen, also auch für jene, die dann ,Schande' gerufen haben", sagte Richter Claudio Pratillo Hellmann.