Riesengemüse

Mr. Gazebrooks Gespür für Zwiebeln

Wir haben es hier mit einem Hobby-Weltmeister zu tun, der ein Weltmeister-Hobby betreibt: das Züchten von gigantischen Gemüsepflanzen und Wurzelgemüse. Zehn Titel hatte er im Laufe der 25 Jahre, die er seiner Leidenschaft frönt, gehalten, gegenwärtig führt das "Guinnessbuch der Rekorde" noch drei unter seinem Namen: die längste Rote Bete, die schwerste Kartoffel, und - seit Kurzem nun - die schwerste Zwiebel aller Zeiten.

Dabei ist Peter Gazebrook (68) alles andere als ein Fanatiker. Er meint es ernst, wenn er das Wort Hobby benutzt. Fügt aber im Gespräch mit dieser Zeitung sogleich hinzu: "Ein Hobby, das auf Wettbewerb geeicht ist. Gewinnen ist mein Ziel."

Als Mr. Gazebrook nun auf der Blumen- und Gartenshow in Harrowgate in Yorkshire mit seiner Zwiebel 8,15 kg Gewicht auf die Waagschale legte, staunte man: Die Sensation stürzte noch am gleichen Tag selbst die "Lahore Times" in Indien in einen Taumel der Begeisterung.

Von den Eltern, beide leidenschaftliche Gärtner, hatte der Junge die Grundzüge des Pflanzens und Hegens gelernt. Doch er wurde Bauinspektor, Vermesser von Grundstücken und Immobilien. 61 Jahre alt geworden, reichte ihm das - nun erfüllten er und seine Frau Mary sich ihren Lebenswunsch und begannen mit der gezielten Züchtung von Riesengemüse.

2005 war dann das entscheidende Jahr für Mr. Gazebrooks Zwiebel-Durchbruch. Ein Züchter, der seine Geheimnisse lange nicht mit anderen Kollegen hatte teilen wollen, gab nach, und noch im gleichen Jahr erzielte ein Bekannter mit der neu erworbenen und eigens gezüchteten Zwiebel-Mischsorte den ersten Weltmeistertitel im Zwiebelschwergewicht.

Gazebrook handelte. Im Oktober wurde ausgesetzt, natürlich im Gewächshaus. Künstliches Licht bestrahlt anfangs 24 Stunden täglich die Setzlinge, was ab Januar, wenn die Tage wieder länger werden, auf neun Stunden reduziert wird. Wichtig sind vor allem der Boden und seine Nährstoffe, die der Gärtner regelmäßig untersuchen lässt, um zu erfahren, wo ergänzt werden müsste. In der Regel wechselt er alle drei Jahre die Gemüseerde aus, den Boden für die Zwiebeln jedes Jahr. Eine Riesenarbeit, bedenkt man, dass die zehn Gigantenexemplare zuletzt in Töpfe von einer Größe umziehen, in denen man Bäume einpflanzen könnte. Erst ab März kann auf künstliches Licht verzichtet werden. Gazebrook rückt noch mit einem weiteren Kniff heraus: Er fügt der Luft CO2 hinzu. Krankheitsbefall, feindliches Getier? Peter Glazebrook hilft sich statt durch Sprühen mit "predator insects", Räuberinsekten, die Schädlinge jagen.

Geld ist mit seinen "giant vegetables" aber nicht zu machen. Die Siegerschecks reichen für das Benzin für die Fahrt zur nächsten Show.