Berufungsprozess

Anklage wirft Amanda Knox PR-Kampagne vor

Im Berufungsprozess um die Amerikanerin Amanda Knox, die in Italien wegen Mordes an ihrer britischen Mitbewohnerin verurteilt wurde, hat die Staatsanwaltschaft der Angeklagten eine beispiellose Medienkampagne vorgeworfen.

Staatsanwalt Giuliano Mignini sagte vor Gericht in Perugia: "Haben Sie jemals einen Angeklagten gesehen, der eine große PR-Agentur anheuert?" Knox habe eine Kampagne im Wert von einer Million Dollar hinter sich. "Und das soll diejenige sein, die von den Medien 'gekreuzigt' wurde?", fügte Mignini in Anspielung auf das Plädoyer der Verteidigung hinzu. Wenn überhaupt jemand "gekreuzigt" worden sei, sei das die Sachverständige Patrizia Stefanoni. Stefanonis Schlussfolgerungen aus den DNA-Tests hatten in erster Instanz zu Knox' Verurteilung beigetragen, waren jedoch im Berufungsverfahren von anderen Experten infrage gestellt worden. Mignini warnte, im Fall eines Freispruchs werde Knox sich ins Ausland absetzen, und der italienischen Justiz seien die Hände gebunden.

Die Verteidigung hatte am Donnerstag auf Freispruch plädiert, die Anklage auf lebenslange Haft. Knox war im Dezember 2009 in erster Instanz zu 26 und ihr Exfreund Raffaele Sollecito zu 25 Jahren Haft verurteilt worden. Das Gericht will am Montag sein Urteil fällen.

Die Britin Meredith Kercher war Anfang November 2007 halb nackt und mit durchschnittener Kehle in dem Haus in der Universitätsstadt Perugia gefunden worden, das sie gemeinsam mit Knox bewohnte. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft wurde die 21-jährige Britin von Knox, deren damaligem Freund Sollecito sowie dem ebenfalls angeklagten Rudy Guede ermordet, weil sie sich weigerte, bei Sexspielen mitzumachen. Guede war nach einem Teilgeständnis in einem getrennten Verfahren zu 16 Jahren verurteilt worden. Knox und Sollecito beteuern bis heute ihre Unschuld.