Naturkatastrophe

Zahl der Erdbebenopfer im Osten der Türkei steigt weiter an

Die Zahl der Toten nach dem erneuten heftigen Erdbeben im Osten der Türkei ist auf mindestens 22 gestiegen. Retter haben am Freitag insgesamt zehn Leichen aus den Trümmern geborgen.

Insgesamt sind nach Angaben des lokalen Krisenzentrums seit dem Beben am Mittwochabend 30 Verschüttete gerettet worden.

In der Stadt Van wurde die Suche unter dem eingestürzten Hotel "Aslan" am Freitag beendet, in den Überresten des Hotels "Bayram" sollte sie am Sonnabend enden, wie Rettungskräfte erklärten. Die US-Erdbebenwarte gab die Stärke des Bebens mit 5,6 an. Das Zentrum der Erdstöße von Mittwoch 21.23 Uhr Ortszeit lag in Edremit, 20 Kilometer südwestlich von Van.

Opposition und Medien kritisierten die Sicherheitsmaßnahmen nach dem ersten schweren Beben von Ende Oktober. Es sei "ein großer Fehler", dass es auch 17 Tage nach dem ersten Beben noch keine offiziellen Überprüfungen der Schäden gegeben habe, kritisierte die Kurdenpartei BDP. Zeitungen veröffentlichten Fotos von tiefen Rissen in den Wänden des eingestürzten Hotels. Das Blatt "Hürriyet" widersprach Angaben des Hoteleigentümers, wonach das Gebäude von Experten untersucht und freigegeben wurde: "Es gab keine offizielle Untersuchung in dem Hotel", das "für zehn Menschen zum Grab wurde". Ein Mitglied der regierenden Partei AKP sagte dagegen, die Kontrolle aller Gebäude einer Ein-Millionen-Stadt wie Van würde Monate dauern.

Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan reagierte am Freitag auf die Kritik vieler Menschen, denen es erlaubt worden war, nach dem Oktober-Beben wieder in ihre Häuser zurückzukehren, falls diese nicht zerstört worden seien. "Wir werden Ermittlungen gegen die Verantwortlichen einleiten", sagte Erdogan. Erst am 23. Oktober war die Provinz von einem noch schwereren Erdbeben der Stärke 7,2 heimgesucht worden.

Unterdessen fing es in Van an zu schneien. Die Behörden hatten für obdachlos gewordene Menschen Zeltstädte rund um die Stadt eingerichtet. "Es gibt aber nicht genug Zelte dort, wenn wir also dahin gehen, finden wir keinen Platz", sagte Necdet Calimli (26), ein Landarbeiter, dessen Haus am Mittwoch zerstört wurde.

Der Erdbebenexperte Dogan Kalafat warnte im Sender CNN Türk vor weiteren schweren Nachbeben in den nächsten drei Wochen. Die Menschen sollten nicht in ihre Häuser zurückkehren. Ministerpräsident Erdogan bekräftigte diese Warnung. Nach zwei Erdbeben innerhalb von 17 Tagen verlassen viele Bewohner die Stadt, weil sie den Einsturz ihrer Häuser befürchten.