Naturkatastrophe

Trümmer, Wut und wieder Angst

Er war gekommen, um der zerstörten Region zu helfen. Dann brauchte er selber Hilfe. In den frühen Morgenstunden wurde Atsushi Miyazaki, ein japanischer Rettungsarbeiter, unter den Trümmern eines Hotels hervorgezogen. Der Mann hatte das Erdbeben überlebt - so schien es.

Doch kurz nach seiner Bergung erlag der Mann seinen Verletzungen.

Knapp drei Wochen nach dem verheerenden Erdbeben im Osten der Türkei ist die Provinz Van erneut heftig erschüttert worden. Zehn Menschen starben beim Einsturz zweier Hotels. 28 Überlebende wurden aus den Trümmern der eingestürzten Gebäude in der Provinzhauptstadt Van geborgen.

Der stellvertretende Ministerpräsident Besir Atalay sagte, es seien 25 Gebäude eingestürzt. Nur die beiden Hotels "Bayram" und "Aslan" waren bewohnt, die anderen waren bei dem Erdbeben Ende Oktober beschädigt und geräumt worden.

Polizei setzte Schlagstöcke ein

Anwohner protestierten, weil die Behörden auch die eingestürzten Hotels in der Stadt Van bereits nach dem ersten Beben am 23. Oktober wegen Baufälligkeit hätten schließen müssen. Sie verlangten den Rücktritt des Provinzgouverneurs Munir Karaloglu. Der stellvertretende Ministerpräsident Atalay versuchte, mit den Menschen zu reden, wurde ausgebuht und verließ den Ort des Geschehens.

Die Polizei setzte Schlagstöcke und Pfefferspray ein, um die aufgebrachten Demonstranten auseinanderzutreiben, meldete die Zeitung "Hürriyet".

Unterdessen suchten Rettungskräfte mit Räumgerät und Spitzhacken weiter nach Überlebenden. In der Nacht hatten sie ungeachtet mehrerer Nachbeben bei starkem Scheinwerferlicht gearbeitet. Die Rettungsarbeiten konzentrierten sich auf die zwei Hotels.

In einem der Hotels hielten sich unter anderem Journalisten auf, die über die Folgen des vorherigen Bebens berichteten. Die Nachrichtenagentur Dogan teilte mit, zwei ihrer Reporter würden vermisst. Unter den Gästen befanden sich auch Rettungsarbeiter, die den Opfern des vorherigen Bebens geholfen hatten.

Das Hotel war mindestens 40 Jahre alt und im vergangenen Jahr renoviert worden. Hotelbesitzer Aslan Bayram sagte, das Haus habe 27 Gäste beherbergt, etwa die Hälfte davon habe sich im Hotel aufgehalten, als es durch das Beben zerstört wurde. Er wisse nicht, wie viele Kunden in dem Hotelshop gewesen seien.

Die japanische Vereinigung für Hilfe und Rettung teilte mit, dass eine weitere ihrer Mitarbeiterinnen lebend aus den Trümmern des Hotels geborgen worden sei. Sie sei nicht lebensgefährlich verletzt.

Ein Kameramann der Nachrichtenagentur Cihan sagte, einige verschüttete Journalisten hätten Kollegen per SMS um Hilfe gebeten. Er selbst habe das Hotel vor dem Beben verlassen und sei zurückgekehrt, um seine Kamera zu holen, sagte Özgür Günes.

Schäden an Gebäuden verharmlost

"Überall war Staub ", berichtete er. Das Hotel habe vom vorherigen Beben einige Risse gehabt. Man habe aber ihm und anderen Gästen gesagt, dass es sich um keine ernsthaften Schäden handele.

Medienberichten zufolge waren aus eingestürzten Häusern Hilfeschreie zu hören. Menschen versuchten, teils mit bloßen Händen, Betonbrocken und verbogenen Stahl beiseitezuräumen. In einem Krankenhaus brach ein kleinerer Brand aus. Mustafa Bilici, Abgeordneter der Regierungspartei AKP, berichtete, eine Person sei ums Leben gekommen, als sie in Panik aus einem Haus sprang.

Auch in Griechenland bebte die Erde: Der Westen des Landes wurde von einem Beben der Stärke 4,6 erschüttert. Angaben über Verletzte gab es zunächst nicht, wie der staatliche Rundfunk (ERA) berichtete. Das Zentrum des Bebens lag etwa 20 Kilometer nordöstlich der Hafenstadt Patras. Spüren konnte man das Beben auch in höheren Stockwerken in Athen.