Urteil

Haftstrafe für die Mutter der verhungerten Lara Mia

Im Revisionsprozess gegen die Mutter der neun Monate alten Lara Mia hat das Landgericht Hamburg am Donnerstag eine dreijährige Jugendstrafe verhängt. Die Jugendschwurgerichtskammer sah es als erwiesen an, dass die Angeklagte ihre im Mai 2008 geborene Tochter über mehrere Monate vollkommen unzureichend ernährt hatte.

Hierdurch sei das Kind in einen lebensbedrohlichen Zustand geraten, der im März 2009 zum Tod des Babys führte, teilte das Gericht in Hamburg mit.

In erster Instanz war die damals 19-jährige Mutter im Juli 2010 zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt worden. Ihr drei Jahre älterer Freund erhielt eine neunmonatige Haftstrafe ebenfalls zur Bewährung. Der Bundesgerichtshof (BGH) in Leipzig hatte dieses Urteil im Mai 2011 auf Antrag der Staatsanwaltschaft aufgehoben. Im September wurde der Prozess neu aufgerollt. Insgesamt wurden 31 Zeugen und fünf Sachverständige gehört.

Die genaue Todesursache von Lara Mia konnte auch in dem neuen Prozess trotz Anhörung eines rechtsmedizinischen und eines kinderärztlichen Sachverständigen nicht eindeutig geklärt werden. Neben dem Hungertod komme auch der plötzliche Kindstod in Betracht, so das Gericht. Da der Angeklagten deshalb der Tod des Kindes nicht mit der notwendigen Sicherheit zugerechnet werden könne, laute die Verurteilung nicht auf vollendeten, sondern auf versuchten Totschlag durch Unterlassen.

Die Angeklagte habe ihre Tochter keinem Arzt vorgestellt und sie nicht ins Krankenhaus gebracht, obwohl sie ihren lebensbedrohlichen Zustand spätestens zwei Wochen vor dem Tod erkannt haben musste. Damit habe sie den Tod des Kindes billigend in Kauf genommen, befanden die Richter. Die Anhörung des psychiatrischen Sachverständigen habe ergeben, dass die Angeklagte sich im Tatzeitraum "in einem Zustand psychischer Kraftlosigkeit" befand, der sie jedoch nicht in ihrer Schuldfähigkeit eingeschränkt habe. "Tragischerweise", so sagte es das Gericht, habe auch das soziale Netz von Familienhilfe und Verwandtschaft versagt.

Hinsichtlich der Dauer der Jugendstrafe orientierte sich die Kammer eigenen Angaben zufolge am Erziehungsbedarf der Angeklagten, insbesondere im Blick auf die Lebensplanung und die Tataufarbeitung.

Im Jugendstrafrecht, so die Urteilsbegründung, seien bei der Strafzumessung nicht in erster Linie Aspekte der Sühne und des Schuldausgleichs zu berücksichtigen. Primär komme es auf die konkrete Erziehungsbedürftigkeit der Angeklagten an.