Polizistenmord

"Wir sind sehr nah dran"

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Viereinhalb Jahre nach dem Mord an einer Polizistin in Heilbronn steht der Fall nach Einschätzung der Justizbehörden umittebar vor der Aufklärung. Der Chef des Landeskriminalamts in Stuttgart, Dieter Schneider, sprach von großen Fortschritten in den Ermittlungen. "Wir sind sehr nah dran", sagte er am Dienstag.

Gestern stellte sich Beate Z. der Polizei. Sie soll mit den Bankräubern zusammengewohnt haben, die sich am Freitag nach einem Überfall in Eisenach erschossen hatten. Bei den Toten fanden die Ermittler die Dienstwaffen der 2007 in Heilbronn getöteten Polizistin und ihres schwer verletzten Kollegen, sowie Handschellen.

Inwiefern sich eine Beteiligung von Beate Z. nachweisen lasse, sei noch nicht klar, erklärte der Stuttgarter Generalbundesanwalt Klaus Pflieger. "Einen dringenden Tatverdacht haben wir jedenfalls bei einer ersten Prüfung nicht bestätigen können", sagt er.

Verbindung zur Neonazi-Szene

Nach Informationen der "Berliner Morgenpost" waren die drei Tatverdächtigen seit den 1990er-Jahren in der Neonazi-Szene Thüringens gut vernetzt und pflegten Kontakte auch in Kreise der rechtsextremen NPD.

Die Suche nach nach den Tätern in dem Fall der Heilbronner Polizistin hatte weltweit Schlagzeilen gemacht, weil jahrelang anhand von DNA-Spuren ein weibliches Phantom gesucht wurde. Später stellte sich heraus, dass die Wattestäbchen bei der Herstellung durch eine Mitarbeiterin verunreinigt worden waren und die Spur somit unbrauchbar.

Die beiden Bankräuber im Alter von 34 und 38 Jahren und die 36 Jahre alte Frau sollen nach Darstellung der Thüringer Linke-Fraktion und Medienberichten bereits als Bombenbauer in Erscheinung getreten sein. Den deutschen Sicherheitsbehörden waren die Täter offenbar bereits vor 13 Jahren als Mitglieder militanter Neonazi-Gruppierungen bekannt. Im Hamburger Verfassungsschutzbericht von 1997 werden die Personen dem rechtsextremen Thüringer Heimatschutz (THS) zugerechnet, einer als gewaltbereit eingestuften Neonazi-Organisation. Nachdem die Polizei am 26. Januar 1998 in Jena ein Haus durchsucht hatte, in dem die Verdächtigen Sprengsätze gelagert hatten, waren Uwe B., Uwe M. und Beate Z. untergetaucht. Vier funktionstüchtige Rohrbomben mit erheblicher Sprengkraft waren damals sichergestellt worden. Beate Z. und ihre Komplizen waren auch dringend tatverdächtig, im Januar 1997 Briefbomben-Attrappen an die "Thüringer Landeszeitung" (TLZ) sowie an die Polizeidirektion Jena und die Stadtverwaltung geschickt zu haben. Auch ein Sprengsatz, der vor einem Theater in Jena deponiert worden und mit einem Hakenkreuz versehen war, soll auf das Konto des Trios gehen.

Das Landeskriminalamt soll die Männer Medienberichten zufolge fünf Monate lang observiert haben. Die Ermittlungen wegen der Rohrbomben wurden 2003 wegen Verjährung eingestellt. Das Landeskriminalamt wollte sich am Dienstag auf Nachfrage nicht zu den Ermittlungen gegen das mutmaßliche Neonazi-Trio äußern.

Die Wohnung der Bankräuber und der Frau in Zwickau wurde kurz nach den Vorfällen in Eisenach durch eine Explosion zerstört. Die Frau, die hier unter dem Namen Susann lebte, soll das Gebäude kurz vor der Detonation verlassen haben.

Nachbarn erinnerten sich gestern an das letzte Mal, als sie Beate Z. sahen: Joseph Hergert, der in derselben Straße wohnt, erzählte, sie habe noch am Freitag bei ihnen geklingelt. Seine Tochter sei zu Hause gewesen. "Sie hat ihr zwei Katzenkäfige in die Hand gedrückt und darum gebeten, kurz aufzupassen." Seine Tochter habe dann gesehen, dass Qualm aus den Fenstern des Nachbarhauses aufstieg. "Da hat sie nur gesagt, dass sie deshalb gleich die Polizei anruft, und ist die Straße entlang weggerannt." Kurz darauf kam es zur Explosion.

Wie die beiden Männer in Zusammenhang mit dem Polizistenmord in Heilbronn stehen, ist nach Angaben der Polizei in Gotha noch nicht geklärt. Es werde nun versucht, die Spur der Dienstwaffen zurückzuverfolgen.

Die in Heilbronn ermordete Polizistin stammte aus dem südthüringischen Oberweißbach. Ob es einen Zusammenhang zwischen der Herkunft der getöteten Beamtin und dem Fundort der Waffen gibt, ist bislang unklar.

Unterdessen wird auch ein Zusammenhang mit dem Polizistenmord von Augsburg Ende Oktober überprüft. Bislang seien zwischen den beiden Polizistenmorden jedoch keine "Schnittstellen" erkennbar, sagte ein Polizeisprecher in Augsburg. Man stehe jedoch mit den Kollegen in Thüringen in engem Kontakt.

Polizistenmord in Augsburg

Nun werde untersucht, ob der Augsburger Polizist mit den in Eisenach entdeckten Waffen erschossen wurde. Zudem sollen die DNA-Spuren der Bankräuber mit den im Augsburger Siebentischwald gefundenen Spuren verglichen werden.

Der 41 Jahre alte Augsburger Hauptkommissar war in der Nacht zum 28. Oktober nach einer Routinekontrolle von einem Unbekannten erschossen worden. Seine Kollegin wurde durch einen Streifschuss verletzt. Die Belohnung für Hinweise zur Ergreifung der Täter wurde inzwischen auf 55 000 Euro erhöht. Die Polizei bittet mit Fahndungsflugblättern um Hinweise. Darauf ist neben einem Motorrad und einer schwarzen Tasche ein Motorradhelm zu sehen. Heute wird über "Aktenzeichen XY ... ungelöst" (ZDF, 20.15 Uhr) nach den Tätern gesucht.

( BM )