Schuldspruch

LaToya Jackson twitterte "Sieg"

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Ein kurzzeitiger Triumph: Conrad Murray wurde am Montag der fahrlässigen Tötung von Michael Jackson schuldig gesprochen. Als er in Handschellen aus dem Gerichtssaal geführt wurde, jubelten die versammelten Jackson-Fans.

Aber die bevorstehende Haftstrafe des ehemaligen Leibarztes verschaffte den Angehörigen keine Befriedigung. "Das vorherrschende Gefühl ist das der Leere", sagte Brian Oxman, Anwalt der Jackson-Familie, nach dem Juryspruch. "Wir sind immer noch ohne Michael Jackson."

Die Reaktionen der Familie sind gespalten: "Sieg!", twitterte La Toya Jackson, die Schwester des Verstorbenen. "Michael, ich liebe dich und ich werde weiter kämpfen, bis alle vor Gericht stehen." Im Moment des Urteilsspruchs hatte sie im Gerichtssaal freudig aufgeschrien und ihre Brüder Jermaine und Randy umarmt. La Toya glaubt an eine Verschwörung, die am 25. Juni 2009 zur vorsätzlichen Ermordung ihres Bruders geführt habe.

Conrad Murray, der dem Weltstar laut Jury eine tödliche Dosis des Narkosemittels Propofol injizierte, sei in diesem Komplott nur ein Rädchen. La Toya galt lange als das schwarze Schaf der Familie. Die 55-Jährige hatte ihrem Vater sexuellen Übergriffe vorgeworfen und ihrem Bruder Michael den sexuellen Missbrauch von Kindern. Später söhnte sie sich mit Michael aus, der in zwei Gerichtsverfahren vom Vorwurf des Sexes mit Kindern freigesprochen wurde.

Nicht im Gerichtssaal anwesend waren Jacksons Kinder: Prince Michael (14), Paris (13) und Blanket (9). Zu ihren Müttern haben die drei Kinder ohnehin keinen Kontakt. Debbie Rowe, die Ex-Frau von Michael Jackson, übertrug das Sorgerecht für Prince und Paris 1999 bei der Scheidung ihrem Ex-Mann. Blanket stammt von einer unbekannten Leihmutter.

Michael Jackson kümmerte sich nach Aussage von Freunden rührend um die beiden Söhne und die Tochter. Sie standen auch, obwohl an keinem Verhandlungstag anwesend, im Mittelpunkt einer der bewegendsten Szenen des Prozesses. Randy Phillips, der Chef des die geplante Comeback-Tournee von Michael Jackson sponsernden Konzerns, berichtete von einem Gespräch mit dem Künstler kurz vor dessen Tod. Unter Tränen habe Jackson ihm erzählt, er wolle durch die 50 "This is it"-Konzerte nur genügend Geld verdienen, "um ein normales Leben mit seinen drei Kindern zu führen".

Dabei starb Michael Jackson, der mit 100 Millionen verkauften Exemplaren des Albums "Thriller" einen einsamen Bestseller produziert hat, mit 400 Millionen Dollar Schulden. Seine legendäre "Neverland"-Ranch, ein riesiger Kinderspielplatz für den androgynen Peter Pan der Unterhaltungsindustrie, musste er schon vor Jahren aufgeben. Seine Rechte an den Beatles-Titeln verpfändete er als Sicherheit bei Banken. Ein Leben in Armut droht den Kindern, die jetzt bei den Großeltern Katherine und Joe Jackson aufwachsen, trotzdem nicht. Eine vom Tod des Vaters ausgelöste "MJ"-Renaissance spülte bereits 310 Millionen Dollar in die Familienkasse.

Und die neue Jackson-Manie geht weiter. Doch den Vater oder die Mutter oder gar jene Normalität, auf die Michael Jackson hoffte, bekommen Prince Michael, Paris und Blanket dadurch nicht.

( A.G. )