"Wetten, dass..?"

Langsam wird es wirklich Zeit für eine Frau

Als Hape Kerkeling am Samstag auf dem "Wetten, dass..?"-Sofa Platz nahm, als Thomas Gottschalk ihn dann auf diese ihm eigene umständliche Weise fragte, ob er denn nun die Moderation dieser Fernsehinstitution übernehmen wolle, als Kerkeling schließlich mit "Nein, ich möchte das nicht", antwortete, schien "Wetten, dass..?" gestorben. Zumindest die Sendung, die seit 30 Jahren der Inbegriff der großen Show war.

Sicherlich wäre es mit Kerkeling als Moderator schon schwer geworden, man hätte einiges an diesem Konzept ändern müssen, das vollkommen auf Gottschalk zugeschnitten war. Aber es hätte zumindest noch die Möglichkeit bestanden, "Wetten, dass..?" als große Familienfeier zu erhalten, bei der ein Clown ein ganzes Land unterhält.

Wie weiter mit der Sendung?

Hape Kerkeling hätte diese Rolle einnehmen können. Die ersten Minuten der Sendung, die er als Horst Schlämmer moderierte, zeigten das. Als Schlämmer ansetzte, um die Gäste der Sendung anzukündigen und scheinbar aus Versehen, knochentrocken und mit perfektem Timing "100 Gramm Mett" von seiner Einkaufsliste vorlas, war das nicht nur saukomisch, sondern zugleich mehrheitsfähig.

Jeder amüsierte sich darüber, ob im Saal oder am Fernseher. Ironischerweise zeigte Kerkeling an diesem Abend, dass er es wirklich gekonnt hätte. Seine spätere Begründung dafür, die Moderation dennoch abzulehnen, ist einleuchtend: Wer "Wetten, dass..?" moderiert, hat keine Zeit für Musicals, für Dokumentationen, keine Zeit, um Bücher zu schreiben. Und ihm bleibt auch nicht der Freiraum, sich eine Auszeit zu nehmen, die Kerkeling sich in der Vergangenheit immer mal wieder gönnte. Gottschalk floh vor seiner Popularität in die USA, in Deutschland war ein halbwegs normales Leben mit seiner Familie kaum mehr möglich, ein Schicksal, das Hape Kerkeling nun erspart bleibt. Doch wie geht es nun weiter?

Das ZDF müsste zunächst einen Moderator und dann ein Konzept finden, das komplett auf dessen Qualitäten abgestimmt ist. Gleichzeitig müssten weiterhin nationale und internationale Showgrößen kommen, die man nirgendwo sonst zu sehen bekommt, weil die Sendung eine ideale PR-Plattform ist.

Nicht zu vergessen die Wetten. Langweilig oder bizarr wirkten sie am Sonnabend - der Junge, der zum Zirkus will und nicht über ein paar Bierflaschen balancieren konnte, der Liechtensteiner, der sich darüber freute, dass er Klobrillen im Sitzen erkannte. Unappetitlich die Hunde-Wette, als eine Trainerin ihre Schützlinge am Mundgeruch erkannte. Lediglich der Mann, der sich einen Zauberwürfel einprägte und blind in einem Wasserbecken löste, hatte die Klasse, die man sich wünschen würde. Die Wetten leiden einfach unter dieser selbst auferlegten Beschränkung, dass sie nicht mehr so gefährlich sein dürfen. Doch die Sendung braucht spektakuläre Wetten, auch weil nicht jeder Kandidat so niedlich ist wie der kleine Italiener, der eine Sprossenwand mit einer Hand erklomm und am Ende darum bat, bitte, bitte, keine Schmetterlinge zu töten.

Amüsement für das ganze Land

Doch das größte Problem bleibt die Moderation. Über wen amüsiert sich denn noch das ganze Land? Gibt es wirklich noch jemanden, der in der Lage ist, Kinder, gestresste Mittdreißiger, Landwirte, Großstädter, Teenager und Intellektuelle zu unterhalten? Thomas Gottschalk, klar, doch der fällt ja nun einmal aus.

Stefan Raab ist eigentlich kein guter Moderator, zumal er die Menschen polarisiert. Markus Lanz, Kai Pflaume können sicherlich moderieren, haben aber zu wenig Profil, sind eher die klassischen Präsentatoren und keine Entertainer.

Doch es gibt noch jemanden, dem man die Sendung zutrauen würde: Anke Engelke ist witzig charmant und macht auch auf einer großen Bühne eine gute Figur, wie man spätestens bei ihrer Moderation des Eurovision Song Contest aus Düsseldorf sehen konnte.

Allerdings wird ihre Erfahrung als gescheiterte Nachfolgerin von Harald Schmidt bei Sat.1 sie vielleicht davon abhalten, "Wetten, dass..?" zu übernehmen. Sollte sie sich dennoch anders entschließen, wäre ihr nur zu wünschen, dass neue Redakteure und auch eine neue Produktion installiert werden und ihr ein neues Konzept auf den Leib geschneidert wird. Dann besteht eine echte Chance darauf, "Wetten, dass..?" zu retten.

Wahrscheinlicher ist aber, dass das ZDF auf jemanden wie Oliver Geissen zurückgreift, weil man die über 30 Jahre gewachsenen Strukturen nicht ändern will. Ihm könnte ein Moderationspartner zur Seite gestellt werden - das kündigte ZDF-Programmdirektor Thomas Bellut in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" an. Er führe mit verschiedenen Kandidaten Gespräche. Eine Entscheidung werde es aber erst nach der letzten Gottschalk-Sendung geben, sagte der designierte ZDF-Intendant weiter. In jedem Fall werde es eine Pause und künftig ein Moderatorenpaar geben. Unklar ließ er, ob zu diesem Gespann Michelle Hunziker zählen wird. Das ZDF, so deutet sich an, versucht, wenig am Sendekonzept zu ändern. Die Show wird vermutlich mit sinkenden Quoten in die Bedeutungslosigkeit abdriften. Ein Weltuntergang wäre das allerdings auch nicht.