Gesundheit

"Schwerer hygienischer Zwischenfall"

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Eva Eusterhus und Edgar S. Hasse

Bremen - Säuglingstod in der Klinik: Drei Frühchen sind seit August wegen Darmkeimen in einem Krankenhaus in Bremen gestorben. Von Seiten des Krankenhauses war die Rede von einem "schweren hygienischen Zwischenfall".

Mindestens zwölf weitere Babys wurden ebenfalls infiziert, einige von ihnen sind schwer erkrankt. Dort, wo erst am Montag das 1000. Baby in diesem Jahr das Licht der Welt erblickte, herrschte am Mittwoch Betroffenheit und Entsetzen. "Wir kennen leider nicht die Quelle der Infektion", sagte der Gesundheitsstaatsrat Joachim Schuster (SPD) auf einer Pressekonferenz.

Der Geschäftsführer des Klinikverbunds, Diethelm Hansen, ergänzte: "Wir stehen an einem Punkt, an dem wir noch nicht endgültig wissen, ob wir das Problem im Griff haben." Seit Ende Juni wurde der multiresistente Keim bei 15 Kindern nachgewiesen. Davon seien sieben schwer erkrankt, drei Kinder starben - am 8. August sowie am 16. und 27. Oktober. "Wir haben natürlich auf der Station Maßnahmen eingeleitet, die eine weitere Verbreitung des Keims verhindern", sagte Hansen. Danach sei die Zahl der Infektionen auch zurückgegangen, bis im Oktober erneut ein Baby daran gestorben sei.

"Die Ursache ist extrem schwierig zu finden", sagte Schuster. Die Quelle könnten Menschen aber auch Gegenstände sein. Diese Keime kämen im Darm vor und würden in einer mutierten Form gefährlich, weil sie beispielsweise Antibiotika außer Kraft setzen. Man spricht dann von Keimen mit der Eigenschaft ESBL. Die Bezeichnung steht für Extended Spectrum Beta-Laktamase. Die Keime waren bereits beim Tod eines Frühchens im Oktober in Passau als Ursache festgestellt worden.

Polizei und Staatsanwaltschaft bestellten am Mittwoch Zeugen ein und begannen Ermittlungen. Nähere Angaben wollten die Fahnder zunächst nicht machen. Wie eine Sprecherin des Robert-Koch-Instituts der Berliner Morgenpost bestätigte, ist ein Expertenteam in die Hansestadt entsandt worden, um die genauen Umstände der Todesfälle zu prüfen und die Klinik zu beraten. Das Team nehme eine so genannte Ausbruchsuntersuchung vor. Die Frühchenstation wurde geschlossen.

"Wir erwarten restlose Aufklärung, wie es zu den Todesfällen kommen konnte. Wir wollen insbesondere auch wissen, ob sich tatsächlich schon im August ein Todesfall ereignet hat und wer diese Information zurückgehalten hat. Sollte sich das bewahrheiten, muss das Konsequenzen haben", sagte die gesundheitspolitische Sprecherin der Bremer Grünen, Kirsten Kappert-Gonther. Die Grünen bilden in Bremen eine Koalition mit der SPD.

Lückenlose Aufklärung

Die oppositionelle CDU forderte sofort eine lückenlose Aufklärung der Vorfälle und zeigte sich schockiert. "Es ist das Schlimmste, was Eltern nach der Geburt eines Kindes passieren kann", sagte der gesundheitspolitische Sprecher der Partei, Rainer Bensch, nach einer Mitteilung. Die CDU sieht möglicherweise eine grobe Verletzung der Informationspflicht.

Immer wieder sorgen Todesfälle von Frühchen in Kliniken bundesweit für Aufsehen. Anfang Oktober hatte sich ein frühgeborener Junge in der Passauer Kinderklinik mit einem dem gleichen multiresistenten Keim wie jetzt in Bremen angesteckt und war gestorben. Drei andere Säuglinge, die sich ebenfalls infiziert hatten, wurden wieder gesund.

Im August 2010 hatte bereits der Tod von drei Babys in der Mainzer Uniklinik für Aufregung gesorgt. Zwei von ihnen kamen wegen einer verseuchten Nährlösung um, das dritte Kind erlag seinen Vorerkrankungen. Insgesamt waren elf kleine Patienten mit der verschmutzten Nährlösung versorgt worden. Polizei und Staatsanwaltschaft ermittelten wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung. Zunächst war davon ausgegangen worden, dass die Lösungen, die die Kinder erhalten hatten, bei der Herstellung verkeimt wurden. Ein Fehler, der der klinikeigenen Apotheke anzukreiden gewesen wäre. Die Untersuchungen brachten jedoch ans Licht, dass das Personal der Universitätsklinik keine Schuld daran trug, dass die Kinder die verseuchte Nährlösung erhalten hatten.

Die Zahl der Frühgeburten hat in Deutschland in den vergangenen Jahren zugenommen. Inzwischen ist fast jedes zehnte neugeborene Kind ein sogenanntes Frühchen. Als Frühgeburt gelten Kinder, die vor Vollendung der 37. Schwangerschaftswoche lebend auf die Welt kommen.

( mit dpa )