Justiz

Missbrauchsskandal: Anwalt kritisiert Odenwaldschule

Bei der Entschädigung von Missbrauchsopfern versagt die Odenwaldschule nach Ansicht eines Anwalts nach über einem Jahr immer noch total. "Die Schule tut gar nichts", sagte Thorsten Kahl am Dienstagabend in einer Diskussion nach dem Theaterstück "Missbraucht" im südhessischen Bensheim.

"Sie will unter den Teppich kehren und aussitzen." Opfer Jochen Weidenbusch warf der Schule vor, keine eindeutige Linie zu haben.

"Es ist mehr als ein Jahr vergangen, ohne dass es klar ist, wie die Schule zu den Opfern steht. Sie hat nicht den richtigen Mut gefasst, schnell zu reagieren." Weidenbusch war dort nach eigenen Angaben von 1973 bis 1980 Schüler. Der 50-Jährige ist heute Lehrer an einer Waldorfschule in Mannheim.

Laut einem vor fast einem Jahr vorgelegten Bericht gab es 132 Opfer, vor allem in den Jahren 1965 bis 1985. Täter waren damalige Lehrer. Der Opferschutzverein "Glasbrechen", der der Odenwaldschule auch immer wieder Untätigkeit vorwirft, geht wegen einer hohen Dunkelziffer von bis zu 500 Opfern aus, Anwalt Kahl sogar von bis zu 1000 Betroffenen.

Die Odenwaldschule verfügt nach Ansicht Weidenbuschs durchaus über Möglichkeiten, Opfern zu helfen und Therapien zu bezahlen. So könnten nicht so sehr benötigte Grundstücke verkauft und das Geld dafür verwendet werden. Kahl sagte, er habe von der Odenwaldschule seit eineinhalb Jahren praktisch keine Post bekommen. Weidenbusch berichtete, er sei an der Schule von drei Lehrern missbraucht worden. Einer sei der frühere Schulleiter Gerold Becker gewesen, der von 1969 bis 1985 an dem Privatinternat arbeitete. Er starb 2010.

( dpa )