Schweiz

Singlebörse für Meerschweinchen

Ob schwarz, ob braun, jun oder alt - Priska Küng hat für jeden etwas Passendes dabei. Die Primarlehrerin (Grundschullehrerin) aus Hadlikon, einem Dorf 30 Kilometer von Zürich entfernt, betreibt eine Partnervermittlung der besonderen Art. Die 41-jährige Hobbyzüchterin vermittelt Miet-Meerschweinchen für verwaiste Artgenossen. Denn laut Schweizer Tierschutzverordnung dürfen die Nager seit 2008 nicht mehr einzeln gehalten werden.

Doch was tun, wenn eines stirbt und man keines nachkaufen will? Küng wurde im Bekanntenkreis mit dem Problem konfrontiert. Da Meerschweinchen praktisch nie gleichzeitig aus dem Leben scheiden, bleibt am Ende meist ein Tier allein im Käfig sitzen. "Das ist nicht wirklich befriedigend", findet Küng. "Allein gehalten werden die Tiere apathisch oder fressen sich fett", sagt die Präsidentin des Dachverbands der Schweizer Meerschweinchenvereine. Schon zwei Meerschweinchen seien eher ein Kompromiss als artgerechte Haltung. Kurzerhand entschloss Küng sich, für solche Notfälle eines ihrer Meersäuli, wie die Tiere in der Schweiz heißen, zur Verfügung zu stellen. Die Idee vom Leihmeerschwein war geboren. Berühmt wurde sie im Zuge der neuen Tierschutzverordnung. Inzwischen haben die Leihmeerschweinchen im Internet ihre eigene Webseite. Seitdem gehen auch Anfragen aus Deutschland ein. Dort hat der Mietservice erste Nachahmer gefunden. Wer keine Vermittlung in der Nähe hat, sollte sich im Tierheim nach geeigneten Käfiggenossen umsehen, rät Herbert Lawo, Vorsitzender des Landestierschutzverbands Baden-Württemberg.

Streng genommen handelt es sich bei Küngs Partnervermittlung um einen Mietkauf. Die Interessenten zahlen je nach Geschlecht den handelsüblichen Preis von 50 bis 60 Schweizer Franken (etwa 45 Euro). Bei Rückgabe bekommen sie dann einen Teil zurückerstattet. "Meerschweinchen sind relativ einfach zu vergesellschaften", weiß Küng. Ein paar Dinge gilt es dennoch zu beachten. "Manchmal stinkt es einem alten Tier, wenn es ein allzu aktives Jungtier als Gesellschaft bekommt", sagt Küng. Doch so manche ältere Dame sei in jugendlicher Gesellschaft noch einmal richtig aufgeblüht. Kritisch seien aber die Männchen. Unkastrierte Böcke kommen sich ins Gehege und sollten nicht miteinander gehalten werden.

Für Familien sei ein Leihmeerschweinchen ein guter Weg, sich von seinen Haustieren zu verabschieden, findet die Züchterin. "Man hängt sein Herz nicht so sehr an ein Tier, von dem man weiß, dass es nur vorübergehend bei einem lebt." Einmal von einem Einsatz zurück, werden die Meerschweinchen nicht mehr weiter vermietet. "Ein Meerschweinchen ist schließlich kein Wanderpokal."