Der Brite Fauja Singh

100-Jähriger läuft Marathon-Weltrekord

Fauja Singh belegte Platz 3850 - trotzdem wird seine Teilnahme am Marathon in Toronto in die Geschichte eingehen. Mit 100 Jahren hat sich der Brite Fauja Singh den Titel als ältester Marathonläufer der Welt gesichert. Er hat sich damit selbst seinen Traum erfüllt, den er seit Jahren hegte.

Singh war sogar noch nicht einmal der Letzte bei dem Wettlauf. Fünf andere kamen noch nach ihm ins Ziel.

Medienberichten zufolge hatte der Sikh erst vor elf Jahren mit dem Langstreckenlauf begonnen - nachdem seine Frau gestorben war. Er trainiert demnach jeden Tag 15 Kilometer. Seine Zähigkeit verdanke er vor allem seiner täglichen "cup of tea" und seinem Hang zu Ingwer-Curry, wie er Journalisten sagte. Alles Frittierte würde er meiden, ebenso wie Reis. Das unterscheide ihn von den meisten Pensionären in England. Den Journalisten verriet er aber auch, dass sein langes Leben nicht nur an einer gesunden Diät liege: "Das Geheimnis für ein hohes Alter ist ein stressfreies Leben."

Der gebürtige Inder schaffte die 42,125 Kilometer lange Strecke beim Toronto Waterfront Marathon in Kanada und darf jetzt auf den Eintrag im "Guinnessbuch der Rekorde" hoffen. Singh absolvierte die Strecke in acht Stunden, 25 Minuten und 16 Sekunden. Er brauchte gut sechs Stunden länger als der Sieger. Und er hätte kaum erfüllter von seiner Leistung sein können.

"Er ist überglücklich", erklärte sein Coach Harmander Singh. "Er hat sich einen lebenslangen Wunsch erfüllt."

Der Erfolg stand zwischenzeitlich auf der Kippe: Nach mehr als sechs Stunden und rund sieben Kilometer vor dem Ende habe Singh Schwierigkeiten bekommen - es habe so ausgesehen, als müsse er aufhören. Doch der freundliche Mann mit dem Turban und dem langen grauen Bart lief noch zwei Stunden weiter.

Beim gleichen Rennen hatte er bereits 2003 den Rekord in der Kategorie der Menschen über 90 gebrochen. Damals brauchte er fünf Stunden und 40 Minuten.

Fauja Singh lebt heute in dem Ort Ilford im Londoner Speckgürtel. Er wurde am 1. April 1911 in Indien geboren. Nach seinem ersten Rekord bekam er einen Werbevertrag mit Adidas: 2004 konnte man ihn in einem Spot für den Sportmittelhersteller an der Seite von David Beckham und Muhammad Ali bewundern. Adidas hätte keinen besseren Protagonisten finden können: Die Kampagne trug den Titel "Nichts ist unmöglich".

Erst 1992, nachdem seine Frau verstorben war, war der Witwer aus Jalandhar (Indien) nach London gezogen. Dort lebte sein Sohn. Doch Singh fühlte sich einsam und nutzlos, als er den ganzen Tag im Haus bleiben musste, ohne etwas zu tun. "Das Herumsitzen hätte mich fast umgebracht", sagt er vor ein paar Jahren in einem Interview mit "The Sikh Times". Also begann Singh mit dem Laufen. Zuerst nur als Zeitvertreib, aber dann begann der Ehrgeiz und mit ihm der erste Marathon.

Ob er nicht das Gefühl habe, es mit über 42 Kilometern etwas zu übertreiben in seinem Alter, wurde Singh gefragt. "Nein", antwortete er, "die ersten Kilometer sind leicht. Und ab dann spreche ich einfach zu Gott."