Frankreich

Babyglück ist Privatsache - auch im Elysée

So, die Kleine heißt nun also Giulia. Spötter hatten kurz nach der Meldung vom Ableben des libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi die Vermutung geäußert, das Präsidentenbaby könnte möglicherweise im Siegestaumel auf den Namen "Victoire" getauft werden, aber Carla Bruni-Sarkozy und ihr Gatte Nicolas Sarkozy trafen dann doch den weisen Entschluss, Berufliches und Privates lieber nicht zu vermischen.

Am Donnerstagabend hatte Carla Bruni auf ihrer Internetseite den Namen ihrer neugeborenen Tochter fast beiläufig verkündet und damit allen Spekulationen über die Namensgebung - so war etwa "Dalila" getwittert worden - ein Ende bereitet: "Die zahlreichen Glückwünsche, die mich nach der Geburt unserer kleinen Tochter Giulia erreichten, haben mich sehr berührt. Aus diesem freudigen Anlass wollen mein Ehemann und ich allen herzlich danken, die uns ihre Anteilnahme bekundet haben."

Am Mittwochabend gegen 19.30 Uhr hatte die 43-Jährige das Kind in der Pariser Prominentenklinik La Muette zur Welt gebracht. Der Präsident verpasste den Moment, da er sich zu dieser Zeit mit Bundeskanzlerin Angela Merkel in Frankfurt am Main um den rechten Weg zur endgültigen Lösung der Schuldenkrise stritt. Erst gegen 23 Uhr konnte er seine Ehefrau und das neueste seiner nun insgesamt vier Kinder aus drei Ehen besuchen. Nach einer kurzen Nacht ging Sarkozy am nächsten Morgen mit Ringen unter den Augen wieder seinem Tagesgeschäft nach. In der Nähe von Laval besichtigte er eine Recycling-Anlage und scherzte mit den Angestellten: "Sie sind um drei Uhr aufgestanden, das ist die Zeit, als ich ins Bett gegangen bin." Zur Feier des Tages überreichten die Müllwerker dem Präsidenten eine kleine Eiche, damit er sie "in Carlas Garten - in Paris oder am Cap Nègre" (der Sommerresidenz der Familie Bruni) pflanzen möge. Der Präsident dankte: "Uns ist ein großes Glück widerfahren, insbesondere weil es sich um ein privates Ereignis handelt. Alle Eltern hier können unsere große Freude verstehen." Mutter und Kind gehe es gut.

Vor der Klinik La Muette harrten derweil einige unverdrossene Fotografen aus, die die Hoffnung nicht aufgeben wollten, irgendwann doch ein besseres Bild zu erhaschen als das eines Präsidenten, der 100 Meter hinter der Polizeiabsperrung aus einem Renault aussteigt. Die Schwangerschaft Carla Brunis ist einer der ersten Fälle, bei dem die Kommunikationsstrategie des Elysée-Palastes aus dem regelmäßig geäußerten Wunsch nach Nicht-Kommunikation zu bestehen scheint. Selten wurde der angebliche Wunsch nach Privatheit so kontinuierlich und dosiert öffentlich gemacht. Erst Anfang September hatte Carla Bruni in einem Interview mit dem Sender TF 1 bekräftigt, sie werde alles tun, um dieses Kind zu schützen: "Ich werde nie Fotos dieses Kindes zeigen, ich werde dieses Kind nie der Öffentlichkeit aussetzen." Die Fotografen und Kamerateams vor der Klinik werden die Botschaft gehört haben. Allein, es fehlt der Glaube.