Carla Bruni und Nicolas Sarkozy

Premier Bébé für Frankreich

Die jüngsten Vereinbarungen zur Euro-Rettung sollten unbedingt noch einmal gründlich nachgerechnet werden, denn möglicherweise war einer der Hauptverantwortlichen bei der Ausarbeitung nicht ganz bei der Sache: Als Nicolas Sarkozy am frühen Mittwochabend in Frankfurt mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem Präsidenten der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, zusammentraf, um die letzten Details für den nächsten Euro-Rettungsgipfel am Wochenende zu besprechen, brachte seine Ehefrau Carla Bruni in Paris die gemeinsame Tochter zur Welt.

Die Geburt der Kleinen sei ein großes Glück, sagte Sarkozy vor Journalisten: "Alle Eltern können dieses tief empfundene Glück verstehen, das Carla und ich empfinden."

Nach einem Tag des Rätselratens gab Carla Bruni-Sarkozy am Donnerstagabend den Namen ihrer Tochter auf ihrer Website bekannt: Giulia soll das Mädchen heißen. "Ich bin sehr gerührt über die zahlreichen Glückwünsche, die seit der Geburt unseres kleinen Mädchens eingegangen sind", schrieb die 43-Jährige.

Am Mittwochnachmittag hatte Sarkozy der in den Wehen liegenden Carla Bruni noch einen kurzen Besuch in der Klinik La Muette im vornehmen 16. Pariser Arrondissement abgestattet. Dann flog er nach Frankfurt. Als er am späten Abend in die bei Vermögenden und Prominenten sehr beliebte Geburtsstation der Privatklinik zurückkehrte, war er zum fünften Mal Vater geworden. Aus seinen beiden ersten Ehen hat der 56 Jahre alte Sarkozy bereits drei Söhne: Pierre (26), Jean (25) und Louis (14). Außerdem ist er bereits einmal Großvater geworden. Seine Ehefrau Carla Bruni (43) hat einen zehn Jahre alten Sohn namens Aurélien aus ihrer Beziehung mit dem Philosophen Raphael Enthoven.

Am Donnerstagmorgen stattete der Präsident seiner Frau und dem Baby einen weiteren kurzen Besuch ab. Polizisten hatten die Zufahrten zur Klinik weiträumig abgesperrt. Kamerateams erhaschten lediglich wenig aufregende Bilder vom Präsidenten. Bereits seit Anfang Oktober wird die Klinik, in der auch die Schauspielerin Charlotte Gainsbourg und die Politikerin Rachida Dati ihre Kinder zur Welt gebracht hatten, zum Ärger der Anwohner von einer Hundertschaft aus Paparazzi und Journalisten belagert. Mitverantwortlich dafür ist unter anderem auch Nicolas Sarkozys redseliger Vater Pal, welcher der "Bild"-Zeitung erzählt hatte, die Geburt solle am 3. Oktober stattfinden. Zwischenzeitlich kursierten im Internet auch schon Gerüchte, Carla Bruni habe einen Sohn geboren, der wahlweise Vadim oder Leopold heißen sollte. Auf dieses Gerücht reagierte Sarkozy in kleinem Kreis erstaunt: "Wieso Leopold? Zu Ehren des belgischen Königs?"

In Wahrheit kannten Sarkozy und seine Frau das Geschlecht des Kindes vor der Geburt nicht. "Man spart sich eine Überraschung auf, die natürlich eine schöne Überraschung ist", sagte Bruni in einem Fernsehinterview, das am Donnerstagabend gesendet werden sollte.

Sarkozy ist der erste französische Präsident, der im Amt Vater wird. Er war zuvor auch schon der erste Präsident, der im Amt geschieden wurde (von seiner zweiten Frau Cécilia) und der erste, der im Amt geheiratet hat, nämlich Carla Bruni. Die massive Zurschaustellung seines Privatlebens zu Beginn seiner Amtszeit ist bei den Franzosen jedoch keineswegs auf Begeisterung gestoßen. Sie war mit ein Grund für Sarkozys wachsende Unbeliebtheit. Insbesondere einer der ersten öffentlichen Auftritte mit Carla Bruni ist dabei in trauriger Erinnerung geblieben. Bei einem von Fotografen begleiteten Besuch in der jordanischen Felsenstadt Petra trug Sarkozy Carla Brunis damals sieben Jahre alten Sohn Aurélien auf den Schultern. Das Kind erschrak vor dem massiven Blitzlichtgewitter und schlug verängstigt die Hände vor das Gesicht. Carla Bruni hat mehrfach erklärt, wie sehr sie sich vorwerfe, ihren Sohn den Medien ausgesetzt zu haben. Vor einigen Wochen kündigte sie an, dass es von ihrem Baby "kein einziges Foto" geben werde.

Und so hat sich das Präsidentenpaar von Anfang an bemüht, die Schwangerschaft so diskret wie möglich zu kommunizieren. Eine ausgeprägte Baby-Hysterie ist bislang nur bei den 24-Stunden-Nachrichtensendern zu spüren, die ununterbrochen Bilder von Sarkozy zeigen, wie er vor der Klinik immer wieder aus demselben Renault aussteigt. Politologen gehen auch nicht davon aus, dass das fröhliche Ereignis einen positiven Effekt auf die derzeit betrüblichen Umfragewerte des Präsidenten hat.