Mordkommission

Protokoll von Gespräch über toten Bierkönig aufgetaucht

Der Streit über den Tod und das Erbe des Frankfurter Biermillionärs Bruno H. Schubert, dem die Henninger-Brauerei gehörte, nimmt bizarre Züge an. Am Donnerstag wird das Frankfurter Landgericht ein Urteil in dem Erbstreit verkünden, der zwischen der Gattin und der Umweltstiftung des Millionärs entbrannt ist.

Meharit Schubert (28), Ehefrau des 2010 verstorbenen 90-jährigen Bierkönigs, fühlt sich von der Frankfurter Mordkommission bespitzelt und hintergangen. Der Polizist Dirk Vey habe Schuberts letzte Sekretärin Petra B. zu einem Gespräch mit Meharit in ein Café begleitet und alles belauscht, ohne sich zu offenbaren. Vey ist bei der Mordkommission mit der "Todesermittlung Schubert" betraut.

Der Inhalt des Gesprächs ist brisant. In dem Protokoll, das der "Berliner Morgenpost" vorliegt, werden heftige Vorwürfe gegenüber Meharit, ihrem Anwalt Hubertus Kestler und dem Hausarzt Dr. M. erhoben. Die Notizen handeln von den letzten zehn Tagen im Leben des Frankfurter Ehrenbürgers. Mehrfach heißt es darin, die Einweisung Schuberts ins Krankenhaus sei von Ehefrau, Arzt und Anwalt verweigert und eine vom Notarzt angelegte Infusion wieder entfernt worden. Nach Schuberts Tod am 17. Oktober 2010 notiert Sekretärin Petra B.: "Ich kann nicht fassen, was hier passiert ist, so hätte Herr Schubert das nicht gewollt, und das hat er auch nicht verdient. Ich bin sehr traurig und denke: Was hat Herrn Schubert nun all sein Geld genutzt, wenn er am Ende nicht einmal mehr genug Wasser bekommen hat."

Meharit, eine Äthiopierin mit belgischem Pass, hatte den 89-Jährigen im Juli 2009 geheiratet, kurz nachdem nach 68 Ehejahren seine Gattin Inge gestorben war. Die Frau versucht derzeit bei Gericht, als Alleinerbin anerkannt werden. Bis zur Hochzeit war Schuberts Umweltstiftung Erbin unter anderem eines Anwesens in Berchtesgaden, dessen Wert auf 20 Millionen Euro geschätzt wird. Doch schon eine Woche später versuchte Anwalt Kestler, das Testament zugunsten von Meharit zu verändern. Schuberts unehelicher Sohn Hanns Peter Nerger, Präsident der Umweltstiftung, hat Anzeige wegen unterlassener Hilfeleistung gegen unbekannt erstattet. Sein Verdacht: Der Tod könnte vorzeitig eingetreten sein, weil seinem Vater Medikamente und Flüssigkeit vorenthalten wurden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt noch.