Interview

Eva Herman und der Angriff auf arbeitende Mütter

Autorin hatte zuletzt Ministerin Kristina Schröder kritisiert

Berliner Morgenpost: Sie haben Familienministerin Kristina Schröder angegriffen, weil sie kurz nach der Geburt ihrer Tochter in den Beruf zurückgekehrt ist.

Eva Herman: Warum bekommt eine Frau denn Kinder? Um sie fremdbetreuen zu lassen, oder um ein lebenslanges Verhältnis zu ihnen aufzubauen? Die Bindungsforschung zeigt, dass das Verhältnis zwischen Kind und Mutter in den ersten drei Jahren die Grundlage für die lebenslange Bindung ist. Läuft es schlecht, wird die Beziehung auch später schlecht.

Berliner Morgenpost: Sie selbst gingen nach der Geburt Ihres Sohnes 1997 bei der "Tagesschau" ein Jahr in Mutterschutz. Bereuen Sie es, dass Sie danach weitergearbeitet haben?

Eva Herman: Ich habe dabei feststellen müssen, dass das, was ich gefühlt habe, den größten Teil der erwerbstätigen Mütter betrifft: Frauen leiden unter dem Spagat zwischen Beruf und Kind. Als man mir sagte, wie super es sei, dass ich das alles als erste "Tagesschau"-Sprecherin mit Kind schaffe, sagte ich: Nein, ich schaffe es nicht. Mein Schmerz, wenn mein Kind krank zu Hause war und ich irgendwohin fliegen musste, war immer wieder derselbe. Ich habe viele Fehler gemacht, weil ich immer das Gefühl hatte: Wenn ich meinem Herzen folge, erklären mich alle für verrückt. Als ich Jahre später mit meinen Veröffentlichungen begann, kam es dann auch so.

Berliner Morgenpost: Sie gelten als Antifeministin. Hat der Feminismus auch gute Seiten?

Eva Herman: Natürlich, absolut. Es ist kein Geheimnis, dass ich meine Karriere sehr genossen habe. Ich kann mich bestens in jede Frau hineinversetzen, die gerne Karriere macht. Aber ich weiß eben auch, dass sich diese Frauen sehr verändern müssen. Ich selbst veränderte mich dramatisch, und nicht gerade zu einem rücksichtsvollen, empathischen Wesen. Ich war mit mir beschäftigt, Egoismus war die Hausregel. Bei allem Karrierestreben sollten Frauen auch bedenken, dass der weibliche Körper mit 25 Jahren beginnt, wieder unfruchtbar zu werden. Wer Karriere und Kinder haben will, muss einen Plan haben. Ich hatte den nicht und wollte drei Kinder haben, habe aber nur eins bekommen. Dafür bin ich dreimal geschieden worden, was auch meinem Egoismus geschuldet war. Heute würde ich es anders machen. Daher nutze ich meinen bekannten Namen dazu, jungen Frauen das zu raten, was mir selbst gutgetan hätte: Haltet kurz inne und entscheidet dann, was ihr wirklich wollt.

Berliner Morgenpost: Und was würden Sie den deutschen Männern raten?

Eva Herman: Viele Männer unterdrücken wegen ihrer Partnerschaft die eigene Natur. Das geht schon im Kindergarten los, wo vor allem Frauen die Kinder erziehen. Das Verhalten der Jungen wird dort nach Mädchen-Standards geformt: Schön brav sitzen, nicht raufen, nicht laut sein. Das ist aber kein Jungsverhalten. Das Anderssein wird ihnen ausgetrieben.

Berliner Morgenpost: Sie publizieren häufig auf der Homepage des Kopp-Verlags. Dort sind Sie in Gesellschaft von Esoterikern, Untergangstheoretikern und Ufologen.

Eva Herman: Etwas als Verschwörungstheorien oder Spinnerei zu bezeichnen ist genauso ein Totschlagargument wie die Nazi-Keule. Der Kopp-Verlag hat schon vor der Einführung des Euro gewarnt, ebenso vor der Schweinegrippe-Impfung und dem Einmarsch der USA im Irak. Oft sind sogenannte Verschwörungstheorien also unliebsame Informationen, die erst einmal nicht in den Mainstream passen. Ich bin sehr froh, dass ich beim Kopp-Verlag publizieren kann, weil ich dort nicht politisch korrekt sein muss.

Berliner Morgenpost: Tut es Ihnen leid, wenn Sie andere verletzen, wie zum Beispiel nach dem Loveparade-Unglück 2010?

Eva Herman: Ich habe mich für meine Aussagen zur Loveparade insofern entschuldigt, als ich noch einmal das wiederholt habe, was in meinem Artikel steht, nämlich mein tiefstes Beileid für die Angehörigen der verstorbenen jungen Leute. Der Artikel ist leider von den sogenannten Qualitätsmedien aus dem Zusammenhang gerissen worden, ein altbekanntes Muster.

Berliner Morgenpost: Trifft es Sie, wenn die Medien Sie als vormodern, bizarr oder schamlos bezeichnen?

Eva Herman: Sie haben noch "krude" vergessen. Ich kann dazu nur einen Satz sagen: Wer durchs Meer geschwommen ist, scheut die Pfütze nicht. Es ist mir längst egal.