Patentrecht

Kampf um den Käse

Was schmeckt, muss nicht gut aussehen. Das gilt auch für die urbayerische Käsespezialität, die bei keiner Biergartenbrotzeit fehlen darf: den Obazdn. Als gelblich-orangefarbenen Brei könnte man ihn bezeichnen, das bayerische Wort dafür, "Baz", steckt ja auch in seinem Namen.

Und dieser Brei beziehungsweise Baz ist am Donnerstag im Münchner Bundespatentgericht Gegenstand einer juristischen Auseinandersetzung.

Alles Käse? Nein, es geht, wie so oft, um handfeste wirtschaftliche Interessen. Denn der Obazde hat es zu einer nicht zu verachtenden gesamtdeutschen Beliebtheit gebracht. Was etliche Käsehersteller auf den Plan gerufen hat, ihr Sortiment um den beliebten Brotzeit-Käse zu erweitern und daran zu verdienen.

Zum großen Missfallen der Landesvereinigung der Bayerischen Milchwirtschaft. Denn beim Geschäft hört der Spaß auf. "Da könnte ja jeder kommen und ein Produkt mit bekanntem Namen herstellen. Am Ende kommt der Obazde irgendwann aus Spanien", ereifert sich Maria Linderer, die Geschäftsführerin der Landesvereinigung. Sie hat als Vertreterin der Milchproduzenten den Prozess angestrebt.

Linderer hat bereits 2006 beim Deutschen Patent- und Markenamt, das auch in München sitzt, den Antrag auf eine "geschützte geografische Angabe" gestellt. Nur in Bayern hergestellt, soll der Obazde auch so heißen dürfen. Dem Antrag wurde zwar entsprochen, doch dann kam Einspruch von der Konkurrenz. Genauer gesagt aus Baden-Württemberg. Dort, in Leutkirch, nur wenige Kilometer hinter der bayerischen Grenze, sitzt der Käsehersteller Pflaum's feine Frische, der sich partout nicht verbieten lassen will, seinen Obazdn auch so zu nennen.

Das Unternehmen fühlt sich im Recht, denn "der Obazde ist lediglich ein Herstellungsverfahren", sagt Firmensprecher Michael Schreck. Im Aufstrichangebot von Pflaum's feine Frische nimmt der Käse einen wichtigen Platz ein. Entscheidet das Patentgericht gegen die Baden-Württemberger, hätte das für die Firma weitreichende Konsequenzen: "Wir müssten den Produktnamen ändern - oder nach Bayern umziehen."

Dorthin, wo der Obazde nachweislich auch erfunden wurde. Der Geschichtsschreibung zufolge war es Katharina Eisenreich, Wirtin des Weihenstephaner "Bräustüberls" in Freising, die in den 20er-Jahren erstmals Obazdn servierte. Seine Entstehung verdankte der Obazde der Tatsache, dass vor allem Weichkäse mangels moderner Kühlmöglichkeiten im Sommer sehr rasch reifte, der Geschmack wurde kräftiger.

Katharina Eisenreich rührte nun vollreifen Camembert und Brie mit Butter und Frischkäse zusammen und würzte das Ganze mit einer Prise Paprika. Daher die Farbe. Fertig war der Obazde. Vom Klosterhügel zu Weihenstephan trat der Obazde seinen Siegeszug durch Bayerns Biergärten an. "Und deswegen müssen wir dieses urbayerische Produkt schützen", sagt Maria Linderer. "Wenn andere diese regionale Spezialität herstellen, ist der Obazde nicht mehr echt."