Sexspielzeug

Koscher und keusch

Orthodoxe Juden habe eine ganze Menge Regeln zu beachten. 613 sind es genau. Diese Gebote regeln das Leben eines gläubigen Juden vom Aufwachen bis zum Einschlafen. Sie regeln, welche Nahrungsmittel, Gegenstände, Handlungen oder auch Personen koscher, also rein und damit erlaubt sind.

Und sie bestimmen auch, was verboten ist. Schweinefleisch zum Beispiel ist tabu. Aber wie ist das mit Sexspielzeug?

Ein orthodoxer Jude aus New York hat nun einen koscheren Online-Shop eröffnet, der es fromm gläubigen Paaren ermöglichen soll, "ihr Intimleben anzureichern". Das Projekt ist aus Eigenbedarf entstanden. Er und seine Frau seien neugierig gewesen, ob sich mit einschlägigem Zubehör das eheliche Vergnügen vielleicht noch steigern lasse, sagt der 25-Jährige. "Es ist nicht verkehrt, einen Vibrator zu benutzen, es ist für einen orthodoxen Juden nur eine Plage, überhaupt einen zu finden." Denn der Anblick unzüchtiger Darstellungen ist orthodoxen Juden ebenso verboten wie die Lektüre des einschlägigen Vokabulars. Die Seite www.koshersextoys.net verzichtet deshalb auf alle dekorativen Elemente und kommt in schlichtem Schwarz-Weiß daher. Die Waren werden unverpackt verkauft - weil die Verpackungen ja selten züchtig designed sind -, und es finden sich weder die Herstellernamen noch die offiziellen Bezeichnungen der Produkte - weil auch die meist unmissverständlich bis unanständig sind. Natürlich ist das Angebot "offensichtlich nur für verheiratete Paare" bestimmt, schreiben die Betreiber. Wenn ein Produkt oder seine Funktionsweise erläutert werden müssten, tue man das in "distanzierter und sauberer Sprache". Das hat allerdings den Nebeneffekt, dass erstaunliche Verbalgymnastik betrieben werden muss, um den jüdischen Reinheitsanforderungen Genüge zu tun.

Was soll man von folgender Beschreibung halten: "Ein vibrierender Stimulator mit einem langen mit Perlen besetzten Schaft zur besonderen Stimulation und eine Erweiterung zur Stimulierung von Körperteilen, die nicht durch das Eindringen des Hauptschaftes erreicht werden." Vermutlich handelt es sich um die Klitoris, die nicht durch Penetration erreicht werden kann, aber das wäre natürlich wieder ein verbotenes Wort. Trotzdem scheint das Geschäft ganz gut zu laufen, ein Bestseller sollen die Flauschhandschellen sein. Das könnte allerdings noch einen anderen Grund haben. Zwar ist der Preisvergleich aufgrund fehlender Produktbezeichnungen nicht ganz einfach, in den Weiten des Internets haben sich aber längst Blogger gefunden, die keine Mühe gescheut haben und zu dem Schluss gekommen sind, dass koshersextoys.com sich preislich nicht nur für orthodoxe Juden lohnt. Bald gibt es auch Lingerie im Programm, jedoch nicht demonstriert am Körper fremder Frauen.

Der orthodoxe Rabbi Shmuley Boteach, Autor des Buches "Kosher Sex", meint dazu, das größte Missverständnis sei ohnehin, dass religiöse Menschen auch im Bett fromm agierten. "In Wahrheit", sagt der Rabbi, "wird orthodoxen jüdischen Paaren beigebracht, dass sie, sobald sie verlobt sind, phänomenalen Sex haben sollen. Sie sollen so richtig auf die Pauke hauen."