Gedenken

Rücktritt: Minister nennt Fukushima eine "Todesstadt"

Mit einer landesweiten Schweigeminute hat Japan am Sonntag der Opfer der Tsunami-Katastrophe vor einem halben Jahr gedacht. Um 14.46 Uhr Ortszeit heulten die Sirenen, die Menschen verharrten in Erinnerung an das Erdbeben und den Tsunami, durch die am 11. März etwa 20 000 Menschen getötet wurden.

Unterdessen trat Wirtschaftsminister Yoshio Hachiro wegen umstrittener Äußerungen zur Atomkatastrophe von Fukushima zurück.

Vor allem an der besonders betroffenen Pazifikküste versammelten sich überall Menschen, um gemeinsam an die Katastrophe zu erinnern. In Minamisanriku, wo 900 Menschen starben und mehr als die Hälfte der Häuser zerstört wurden, kamen etwa 2000 in Schwarz gekleidete Menschen in einer Schule zusammen. "Wir werden die Hoffnung niemals aufgeben und schwören, dass wir vereint eine neue Stadt aufbauen werden", sagte Bürgermeister Jin Sato.

Die Katastrophe beschädigte auch Teile des Atomkraftwerks Fukushima, in mehreren Reaktoren kam es zur Kernschmelze. Das Unglück gilt als der schwerste Reaktorunfall seit der Katastrophe von Tschernobyl vor 25 Jahren. Zehntausende Menschen mussten die Region etwa 220 Kilometer nordöstlich von Tokio verlassen, weite Teile der Gegend um das Kraftwerk wurden radioaktiv verseucht. Bei einem Besuch in dem Kraftwerk nannte der erst eine Woche zuvor berufene Wirtschafts- und Handelsminister Hachiro die Region um das AKW eine "Todesstadt". Zudem soll er seine Jacke an der eines Journalisten gerieben und gescherzt haben: "Ich werde Sie mit Strahlung anstecken." Angesichts der massiven Kritik an seinen Äußerungen erklärte Hachiro am Samstag seinen Rücktritt.

Der neue Ministerpräsident Yoshihiko Noda sagte: "Ich entschuldige mich tief bei den Menschen von Fukushima für diesen Vorfall, der ihre Herzen so stark verletzt hat. Es ist weiter meine feste Überzeugung, dass es keine Wiedergeburt Japans ohne die Wiedergeburt Fukushimas geben wird."