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Zwei Füchse gehen nach Amerika

"Ich drehe mich wie ein Kreisel", sagt sie, seufzt, rollt ihre großen Augen, nippt vom Pinot Grigio. Alexandra Kauka sitzt in der Bar eines hellen, feinen Boutique-Hotels in Atlanta. Das Glas ist kalt beschlagen. Hinter den großen Fenstern lauert die Spätsommerhitze des amerikanischen Südens.

Alexandra Kauka ist eine Vielreisende - zwischen Amerika und Europa, zwischen Atlanta und ihrer 380 Kilometer entfernten Plantage im US-Bundesstaat Georgia, zwischen New York und Florida. "Ich möchte mein Leben entschleunigen", sagt sie, "verkleinern, vereinfachen." Doch danach sieht es im Moment nicht aus. Am 15. September wird die Witwe und Erbin des deutschen Comic-Königs Rolf Kauka in Washington die erste Fix-&-Foxi-Ausstellung in den USA eröffnen. Das German-American Heritage Museum zeigt Dokumente, Collagen, Filme, Artefakte und Memorabilien aus dem Universum der roten Füchse, informiert über die Geschichte des deutschen Comics, beginnend mit Max und Moritz.

"Wir wollen zeigen, dass es außer der übermächtigen amerikanischen Cartoon-Szene auch eine große und eigenständige deutsche Comic-Kultur gibt", sagt Museumsleiter Rüdiger Lentz. Zunächst sei er skeptisch gewesen, als er dann aber das Kauka-Archiv besucht habe, das in einem ehemaligen Atombunker in der Wallfahrtsstadt Kevelaer lagert, da habe er gewusst: "Das ist ein Schatz."

Kaukas Comic-Imperium

Passen die munteren Zwillingsfüchse überhaupt in die USA? "Fix & Foxi passen überallhin, wo es Kinder gibt", sagt Alexandra Kauka. Sie ist eine auffallende Erscheinung, hochgewachsen, üppige Lippen. Sie spricht Englisch mit einem leichten Münchner Akzent. Kauka ist überzeugt, dass Fix & Foxi in Amerika "gut ankommen". Weil die Comics einen erzieherischen Anspruch hätten, "das mögen die Amerikaner". Und: "Weil sie sauber sind", sagt Kauka, "anders als all die modernen Manga-Comics." Mangas, sagt sie, möge sie nicht.

Die Meinung einiger Kritiker, Fix & Foxi seien zu bieder, zu hausbacken und von der Zeit überholt, wischt sie mit einer Handbewegung vom Tisch. "Gute Werte sind nie hausbacken, sondern immer und überall gültig."

Von der Fix-&-Foxi-Schau erhofft sich die Unternehmerin Publicity für ihre Comicfiguren. "Die Ausstellung soll aber vor allem eine Hommage an Rolf Kauka sein." Der 1917 geborene Sohn eines Leipziger Schmieds baute nach dem Zweiten Weltkrieg ein Comic-Imperium auf, eine deutsche Wirtschaftswunder-Geschichte. Sein Verlag schuf seit den 50er-Jahren rund 80 Comic-Charaktere, neben den roten Füchsen auch den Wolf Lupo und Oma Eusebia, Bussi-Bär, Maulwurf Pauli, Action-Held Andrax oder auch, wenngleich weniger erfolgreich und deshalb nur kurzlebig, Siggi und Babarras, eine deutsche (und stramm konservative) Adaption der französischen Comic-Helden Asterix und Obelix. Vier Jahrzehnte dominierten die Kauka-Cartoons den deutschen Comic-Markt - mit einer Auflage von insgesamt 750 Millionen.

Alexandra Kauka war Rolf Kaukas vierte Ehefrau. Sie wurde 1950 in Kärnten geboren, wuchs in München auf, war Model und Galeristin. Aus erster Ehe hat sie einen Sohn, der heute in Hamburg lebt. Sie traf Rolf Kauka 1975 bei einem Geschäftsessen, die beiden heirateten im selben Jahr. 1982 wanderte das Paar in die USA aus, kaufte die Chinquapin-Plantage in Georgia und betrieb Forstwirtschaft.

TV-Serie, 3-D-Film, Feriendorf

Seit dem Tod Rolf Kaukas im Jahr 2000 verwaltet seine Erbin alleine die Kauka Promedia Inc., ein langsam zerfallendes Comic-Riesenreich. In den 80er-Jahren begann die Auflage der Hefte zu sinken, mehrfach wechselten Fix & Foxi den Verlag. "Die Zukunft ist digital", sagt Kauka, unsentimental. "Die Hefterl wird es wohl nicht mehr geben." Dafür sind die Fuchs-Comics online abrufbar, und das Merchandising läuft gut. Eine TV-Serie mit 52 Folgen wird in 30 Ländern ausgestrahlt, ein 3-D-Film ist in Arbeit. In Alexandra Kaukas Heimat Kärnten soll ein Fix-&-Foxi-Feriendorf entstehen; dort wird es im Café von Oma Eusebia Kuchen geben und einen Professor-Knox-Computerklub für Kinder.

Trotz der Erfolge denkt Kauka daran, ihr Comic-Imperium mitsamt den Lizenzen zu verkaufen. "Vor fünf Jahren hätte mich der Gedanke noch erschreckt. Heute nicht mehr." Sie will jedoch nicht stückeln, sondern das Lebenswerk von Rolf Kauka in eine einzige Hand geben, eine professionelle und zugleich kreative Hand.

Auch ohne Fix & Foxi und Co. bleibt Alexandra Kauka eine vielbeschäftigte Frau. Die engagierte Umweltschützerin hat zwei Drittel ihrer 1500 Hektar großen Plantage als Naturschutzgebiet an den Staat Georgia übertragen. Als Kunstmäzenin sitzt sie im Aufsichtsrat der Metropolitan Opera in New York und ist Repräsentantin der Salzburger Festspiele in den USA. Placido Domingo und Anna Netrebko sind ihre Freunde.

Nicht nur ihr Unternehmen, auch ihre Südstaaten-Plantage will Kauka zum Verkauf anbieten. "Mein Leben ist voll mit Wänden und Hausmauern", sagt sie. Davon will sie sich befreien. Der Grund für den Wunsch nach Entschleunigung, Verkleinerung, Vereinfachung ist: ein Mann. Alexandra Kauka hat vor drei Monaten wieder geheiratet. Ihr Gatte heißt Sterling Morton Hamill, er ist 69 Jahre alt, stammt aus einer Industriellendynastie in Chicago, lebt in Palm Beach. "Diese Ehe ist ein neues Kapitel in meinem Leben", sagt Alexandra Kauka. "Mein Mann will mit mir leben. Er will kein Phantom einer ständig abwesenden Geschäftsfrau."

Ein Grund mehr, ihre Schützlinge Fix & Foxi gehen und in die weite Welt ziehen zu lassen.