Paranormales Untersuchungsteam

Die Geisterjäger von Ostfriesland

Man nehme jede Menge innere Überzeugung an die Existenz von übernatürlichen Phänomenen, würze das Ganze mit detektivischem Spürsinn und einer Vielzahl an technischen Geräten: Heraus kommt das "Paranormale Untersuchungsteam" (PUT). Zehn Mitglieder der im ostfriesischen Rhauderfehn beheimateten Gruppe gehen in ihrer Freizeit auf Geisterjagd.

Hausbesitzer, bei denen es spukt, können das PUT unentgeltlich anfordern. Sagenumwobene Orte wie Schlösser und Klöster untersuchen die Geisterjäger aus eigenem Antrieb heraus.

Tatort Klosterruine in Hude: Es sieht aus wie eine reale Mischung des Kinohits "Ghostbusters" und der TV-Serie "CSI". Menschen mit einheitlicher Kleidung, die sich selber als "Ermittler" bezeichnen, bauen empfindliche Geräte auf. Dazu zählen eine Infrarotanlage, Wärmebildkameras, Messgeräte zum Aufspüren elektromagnetischer Felder und digitale Diktiergeräte. Alles wird vernetzt und an eine zentrale Computeranlage angeschlossen.

Statt "CSI" steht "PUT" in gelben Großbuchstaben auf den Mützen und Pullovern der Ermittler. Statt aktuellen Mordfällen sind sie Geistern auf der Spur, die möglicherweise als Untote ihr Unwesen treiben. Im Kloster Hude liegen etwa die Gebeine zahlreicher Grafen.

"Ich habe früher auch nicht an Geister geglaubt. Heute tue ich es", sagt Teamleiter Peter Tiedeken. Seinen Sinneswandel erklärt der 43-jährige Baggerführer aus Rhauderfehn mit persönlichen Erlebnissen. Vor einem Jahr habe sein sechsjähriger Sohn ständig Angst vor einer Person in seinem Zimmer gehabt, obwohl niemand da war. Nachdem sich später auch Computer abschalten, Bilder von der Wand fallen und er selber Berührungen spürt, will er der Sache auf den Grund gehen.

"Menschenähnliche Gestalt"

Tiedeken schafft sich eine elektronische Spezialausrüstung an, die mittlerweile einen Wert von 20 000 Euro hat. Bei der Computerauswertung von Tonaufnahmen aus der eigenen Wohnung habe er dann in einem für das menschliche Gehör nicht wahrnehmbaren Frequenzbereich die Frage "Wann komme ich raus?" vernommen. Tiedeken verlässt samt Familie die Wohnung. Seitdem hat er nach eigenen Angaben Ruhe vor dem Geist, doch die Geister haben keine Ruhe mehr vor ihm. Der 43-Jährige gründet das PUT, findet schnell Gleichgesinnte. Jetzt gehen sie zu zehnt auf Geisterjagd.

Einer von ihnen ist der 31-jährige Andre Ahrenholz, der sich gemeinsam mit seiner Ehefrau der Gruppe angeschlossen hat. "Ich verbringe lieber die Nacht in einer Burgruine als in der Kneipe", sagt der Ostfriese. Von tieferer Bedeutung ist die Mitarbeit für die 22-jährige Christina Dobbert. "Seit frühester Kindheit habe ich Erfahrung mit Dingen, die ich mir nicht erklären kann", erzählt die Köchin. Mit vielen Leuten könne sie darüber nicht reden. Im Team sei das anders. Deshalb habe sie sich dem PUT angeschlossen.

Nicht selten wird das PUT als "Spinnertruppe" bezeichnet. Tiedeken hat sich daran gewöhnt und kann damit leben. "Die, die am lautesten lachen, kommen später heimlich mit ihren Problemen an", sagt er. Jeden Vorwurf der Schummelei bei der Aufnahme und Auswertung der Daten weist er vehement von sich. Tiedeken: In vielen Fällen finden die Geisterjäger natürliche Ursachen und mutieren dann zum Kammerjäger. Es gebe aber auch andere Fälle, sagt der Teamleiter. Er sei bei einer vorherigen Untersuchung in Hude schon geschubst worden, ohne jemanden neben sich gesehen zu haben. Bei der anschließenden Analyse der Wärmebildkameras sei eine "Gestalt mit menschlichen Umrissen" aufgetaucht.

Interessiert beobachtet werden die Ermittler an diesem Abend vom Vorstand des Vereins Freunde des Klosters Hude. "Viele empfinden diesen Ort als spirituell", sagt die zweite Vorsitzende. "Wir wissen, dass dieser Ort Geist hat. Ich bin aber skeptisch, dass er Geister hat", sagt Vorsitzender Gabriel Theermann. In diesem Fall soll er recht behalten. "Kein Fund", meldet Tiedeken. Zumindest heute.