Ermittlungen

Rätselhafte Todesserie in Kinderklinik

Innerhalb von wenigen Tagen sind in einer Kinderklinik im nordrhein-westfälischen Siegen drei Frühgeborene gestorben. Die Staatsanwaltschaft ordnete für zwei der drei Leichen eine Obduktion an. Das dritte Baby ist bereits in der Türkei bestattet worden.

Bei den toten Kindern handelt es sich um sogenannte Frühchen, wie Staatsanwaltschaft und Polizei mitteilten. Als Frühgeborene gelten Kinder, die mindestens drei Wochen vor dem errechneten Termin - also vor dem Ende der 37. Schwangerschaftswoche - zur Welt kommen. Dabei wird zwischen extrem früh Geborenen (weniger als 28 Schwangerschaftswochen), sehr früh Geborenen (28 bis 31 Wochen) und mäßig früh Geborenen (32 bis 37 Wochen) unterschieden.

Die Siegener Klinik sprach im Hinblick auf die aktuellen Todesfälle von einer "auffälligen Häufung". Deren Angaben zufolge gab es bei allen drei Frühgeborenen "unterschiedliche Grunderkrankungen, aber unter einem ähnlich fulminant verlaufenden Krankheitsbild". Die Todesursache bei den Frühgeborenen sei derzeit noch unklar, sagte Oberstaatsanwalt Johannes Daheim am Sonntag. Obduktionsergebnisse sowie die Resultate weiterer medizinischer Untersuchungen würden voraussichtlich erst in den nächsten Tagen vorliegen. Weitere Angaben zu den Todesfällen wollte Daheim zum jetzigen Zeitpunkt nicht machen.

Das dritte tote Frühgeborene, das als erstes der drei Kinder gestorben war, ist bereits im Ausland beigesetzt worden. Die drei Frühgeborenen starben Ende August und Anfang September. "Wir sind geschockt von den Fällen", sagte die Verwaltungsleiterin der Klinik, Stefanie Wied. Man habe die Behörden informiert, um "im Interesse aller Beteiligten zu einer raschen, vollumfänglichen Aufklärung der Todesfälle beizutragen". Die betroffene Kinderklinik ist eine Einrichtung des Deutschen Roten Kreuzes. Pro Jahr behandelt das Krankenhaus mehr als 6000 Patienten stationär.

Im August 2010 waren in der Mainzer Uniklinik drei Babys gestorben, nachdem sie eine verunreinigte Nährlösung bekommen hatten. In ihren Blutkreislauf waren gefährliche Darmbakterien gelangt, die normaler Weise nicht lebensbedrohlich sind, bei Frühchen aber, deren Immunsystem noch nicht voll ausgebildet ist, zum Tod führen kann. Die Staatsanwaltschaft stellte ihre Ermittlungen später ein, da kein strafrechtlich relevantes Fehlverhalten festgestellt wurde. Der Vorfall hatte eine weitreichende Diskussion über unzureichende Hygienezustände in deutschen Krankenhäusern ausgelöst.