Ärger mit der Verwandtschaft

Der böse Onkel

Das Problem mit der Verwandtschaft ist bekanntlich, dass man sie sich nicht aussuchen kann. Vermutlich hat jeder in seiner Familie einen besserwisserischen Onkel, eine nervige Tante oder eine Cousine, der immer alles zu gelingen scheint.

Eine weitere Schwierigkeit besteht darin, dass die Verwandten einen schnell in die unmöglichsten Situationen bringen können. Selbst oder gerade dann, wenn man einer der mächtigsten Männer der Welt ist. Diese Erfahrung hatte auch der amtierende Präsident der USA, Barack Obama, bereits mehrfach machen müssen. Und nun ist es wieder passiert.

Ein, zwei Bier hatte sich Onyango Obama (67) wohl genehmigt, als Polizist Val Kishtal ihn am "Chicken Bone Saloon" in Framingham (Massachusetts) stoppte und aus dem Verkehr zog. Es war ein heißer Tag gewesen, und der Autofahrer hatte sich wohl zum Feierabend belohnt. Der Mann sagte zu Beginn noch, er habe gar nichts getrunken. Sein äußeres Erscheinungsbild ließ aber etwas anderes vermuten. Er lallte und schwankte leicht.

"Ich ruf mal im Weißen Haus an"

Auf der Wache ergab der Test dann 1,4 Promille im Blut. Die Polizisten wollten wissen, wer die Kaution für Onyango Obama bezahlen solle? Ob er mit jemandem telefonieren wolle? "Ich ruf mal eben im Weißen Haus an", war die verblüffende Antwort.

Erst dachten die Polizisten, es handele sich um einen schlechten Scherz, aber bei näherer Untersuchung stellte sich heraus, dass es sich bei dem Delinquenten tatsächlich um den "Onkel" des Präsidenten handelte. Onyango Obama ist ein Halbbruder von Barack Obamas kenianischem Vater. Allerdings hatten der Neffe und der Onkel sich mehr als 40 Jahre nicht mehr gesehen. Bereits in seinem Buch "Dreams Of My Father" hatte Barack Obama geschrieben, der Halbbruder seines Vaters hätte sich auf den Weg in die USA gemacht und sei seit diesem Tage verschwunden. Nun hat man ihn gefunden. Und musste dann auch noch feststellen, dass der Verkäufer in einem Schnapsladen sich illegal in den USA aufhält. Er sitzt in Haft, hat Asyl beantragt und hofft auf einen positiven Bescheid.

Für den Präsidenten nichts wirklich Neues. Denn bereits während seines Wahlkampfs hatte er sich mit einem ähnlichen Problem rumschlagen müsse. 2008 tauchte nämlich "Tantchen Zeituni" auf. Auch sie hielt sich illegal in den USA auf. Damals wurde vermutet, Obamas Kontrahent John McCain hätte etwas mit dieser "Enthüllung" zu tun. Erst vor einem Jahr hat die Tante nun eine Aufenthaltsgenehmigung bekommen. Der Präsident ließ verlauten, er habe sich aus dem Verfahren komplett herausgehalten. Heute lebt sie in einer Sozialwohnung in Boston.

Für etwas mehr Aufsehen sorgte Halbbruder George Obama, der 2009 in Nairobi mit Marihuana erwischt und festgenommen wurde. Er müsse von einem Dollar am Tag leben, ließ er die Presse wissen, um es dann später wieder zurückzunehmen. George und Barack Obama haben denselben Vater, kennen sich persönlich aber kaum. Der 26-Jährige absolviert eine Ausbildung zum Automechaniker und lebt im Armenviertel von Nairobi. Insgesamt hat Obama noch sieben weitere Halbgeschwister, die meisten davon tauchen selten in der Öffentlichkeit auf. Weitere Skandale sind wohl auch vom wiedergefundenen "Onkel Omar", wie er genannt wird, nicht zu erwarten. Seine Nachbarn, die vom "Boston Herald" befragt wurden, haben nur Gutes zu erzählen. "Er ist ein sehr netter Mensch, der auf alle hier aufpasst", sagte Jennifer Jimenez. In seinem Garten hätte man sich oft zum Grillen getroffen. Dass er mit Obama verwandt sei, habe niemand gewusst.

Der Großcousin lebt in Berlin

Doch wer weiß, vielleicht finden sich in Zukunft noch weitere Cousins, Onkel oder Neffen Barack Obamas. Ahnenforschung ist im Einwandererland USA nämlich ein beliebter Zeitvertreib. Amerikanische Forscher haben dann auch herausgefunden, dass Obama mit allen möglichen Prominenten verwandt ist (siehe Kasten). Auch die Schweizer haben keine Kosten und Mühen gescheut, nachzuweisen, dass Obama eigentlich ein Landsmann ist: Die Wurzeln des mächtigsten Mannes der Welt lassen sich dank eines von der Gemeinde Ried beauftragten Ahnenforschers über neun Generationen hinweg bis in einen kleinen Schweizer Ort nachverfolgen: Mütterlicherseits stammt Obama von den Riedern Hans Gutknecht und seiner Frau Anna Barbara ab. Deren Sohn Christian wanderte nach Amerika aus. Und auch Deutschland hat seinen eigenen Obama-Verwandten: Ekiri Obama lebt seit 16 Jahren in Berlin-Mitte. Völlig legal, seit 2001 ist er deutscher Staatsbürger. Sein Großvater, His Lucas Obama, und der von Barack - Hussein Onyango Obama - waren Brüder. Barack Obamas Großvater lebte in Kenia - der Opa von Ekiri wuchs in Äquatorialguinea auf. Dort wurde auch Ekiri geboren. Seine Familie zog aus der einstigen spanischen Kolonie in Westafrika nach Madrid - und Ekiri vor 16 Jahren nach Berlin. Seit 2001 hat er einen deutschen Pass. In einem Interview sagte er, das Büro Merkel habe ihm gratuliert, als sein Großcousin Präsident wurde. Persönlich kennt er Barack nicht, wie auch bei insgesamt 30 Großcousins.

Bei einer solche weitverzeigten Verwandtschaft kann den Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika vermutlich so leicht nichts mehr schocken. Erst einmal hat sich Barack Obama überhaupt zu dem Thema Verwandtschaft ausführlicher geäußert. Über neun Ecken ist er nämlich auch mit dem ehemaligen Vizepräsidenten Dick Cheney verwandt, wie amerikanische Ahnenforscher herausfanden. Als diese Nachricht Schlagzeilen machte, sagte der Sprecher des Präsidenten: "In jeder Familie gibt es wohl ein schwarzes Schaf."