Tscheljabinsk

Chemieunfall: Giftwolke hüllt russische Stadt ein

Nach einem Chemieunfall mit giftigem Brom haben in der russischen Industriestadt Tscheljabinsk am Ural mehr als 100 Menschen über Übelkeit geklagt. Ärzte waren zeitweilig im Dauereinsatz, nachdem sich am Bahnhof der Stadt aus einem Zugwaggon die gelb-braunen Bromdämpfe in einer riesigen Wolke ausbreiteten.

Das berichteten russische Medien. Russlands oberster Amtsarzt, Gennadi Onischtschenko, sprach nach Angaben der Agentur Interfax von einer Notfallsituation.

Viele Menschen hätten sich mit Atembeschwerden, Reizungen der Augen und Schleimhäute an Notfalldienste gewandt, sagte ein Mitarbeiter des Zivilschutzes. Zahlreiche Verletzte mussten stationär im Krankenhaus behandelt werden.

Das Brom befand sich demnach in flüssiger Form in Glasbehältern mit je fünf Litern in dem Güterwaggon. Vermutlich zerbarsten die Gläser bei Rangierarbeiten wegen unsachgemäßer Lagerung. 40 bis 50 Liter seien ausgeflossen. Erst Stunden nach dem Zwischenfall gaben die Behörden am Nachmittag Entwarnung.

Es bestehe keine Lebensgefahr, die Lage sei unter Kontrolle, der Ausfluss von Brom gestoppt, hieß es in einer offiziellen Mitteilung. Allerdings dauerten die Untersuchungen der Umwelt an. Die beißenden und gesundheitsschädlichen Bromdämpfe entwickelten sich bei der Berührung mit Luft, hieß es.

Von den insgesamt mehr als 2000 Gläsern zerbarsten nach Schätzungen acht bis zehn, wie die Staatsagentur Ria Nowosti schrieb. Auf Bildern im Internet war zu sehen, wie sich die dichte Wolke ausbreitete. Bewohner schrieben in Blogs von ihren Ängsten um ihre Gesundheit.