Justiz

Ameland-Prozess: Täter müssen gemeinnützig arbeiten

Von den Vorwürfen über spektakuläre Missbrauchsfälle auf der niederländischen Ferieninsel Ameland im Sommer 2010 ist juristisch nicht viel übrig geblieben.

Das Landgericht Osnabrück hat vier Jugendliche im Alter zwischen 15 und 16 Jahren zu jeweils 60 Stunden gemeinnütziger Arbeit verdonnert. Ihnen war sexuelle Nötigung und gefährliche Körperverletzung von Teilnehmern einer Ferienfreizeit vorgeworfen worden. Der Vorwurf der sexuellen Nötigung habe sich nicht bestätigt, teilte das Gericht zum Abschluss des Strafverfahrens mit.

Die Täter hätten sich wegen Nötigung in vier Fällen, darunter zweimal mit gefährlicher Körperverletzung, strafbar gemacht. Sie hätten ihren Opfern die Hose heruntergezogen und den Po mit Sonnenspray eingesprüht oder Gegenstände zwischen die Pobacken geschoben. Dabei hätten sie jedoch nicht aus sexuellen Motiven gehandelt: Dieser Bezug sei erst durch die breite Berichterstattung in den Medien entstanden, sagte ein Gerichtssprecher.

Für die Jugendkammer sprachen mehrere Aspekte zugunsten der Täter: Diese hätten sich umfassend mit ihren Taten, Motiven und auch mit der Perspektive der Opfer auseinandergesetzt. Alle Täter hätten sich persönlich bei den Opfern entschuldigt und dabei Scham und Betroffenheit gezeigt. Das Gericht berücksichtigte zudem eine erhebliche Belastung der Angeklagten durch die Medienberichte.

Der Verteidiger eines angeklagten 16-Jährigen kritisierte Staatsanwaltschaft und Medien. Diese hätten jedes Feingefühl und Verantwortungsbewusstsein vermissen lassen, teilte Rechtsanwalt Christopher Tenfelde mit.