Eifel

Das Kloster der standhaften Nonnen

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Torsten Thissen

Zu zweit sind sie noch, und das reiche ja auch, sagt Schwester Regina. Schließlich habe Christus gesagt, wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.

Und wenn Jesus Christus das sagt, wie wenig wiegt dann das Wort des Bischofs? Oder das der Römischen Ordenskongregation, der ordentlichen Gerichte? Oder das der anderen Karmeliterinnen, die es auch am liebsten sähen, wenn Schwester Regina und Schwester Katharina ihr Kloster aufgäben. "Ich verlasse das Kloster nur im Sarg", sagt Schwester Regina.

Steil ist der Weg zum besetzten Kloster Maria Königin, das umgeben von Wald und Wiesen seit 1955 auf der Höhe über dem Eifeldorf Zweifall liegt. Im Krieg hatten Karmeliterinnen, die von den Nazis aus ihrem Kloster vertrieben wurden, in Zweifall Zuflucht gefunden, danach wollten die Bewohner die Nonnen nicht mehr missen, und man schenkte ihnen ein großes Grundstück. Die Dorfgemeinschaft half beim Bau des Klosters, das schließlich 30 Schwestern bezogen. Doch sie starben nach und nach, und Nachwuchs gab es nicht. Als ihr Kampf gegen die Auflösung vor sechs Jahren schließlich doch noch begann, hatten sie ihn eigentlich schon verloren: Sie waren nur noch zu viert, lebten auf knapp 4000 Quadratmetern, drei von ihnen waren über 80 Jahre alt. Schwester Regina war bei Weitem die Jüngste, heute ist sie 60. "Vonseiten des Ordens befürchtete man, dass ein geregeltes klösterliches Leben nicht mehr möglich war", fasst ein Sprecher des Bistums Aachen die Anfänge zusammen, "Pflicht zur Fürsorge" sei das Motiv gewesen. Nach dem Besuch einer Abordnung, nach vielen Gesprächen und dem Versuch, eine gütliche Lösung für die verbliebenen Schwestern zu finden, habe der Bischof die Auflösung der Gemeinschaft beantragt, was die zuständige Ordenskongregation in Rom schließlich bewilligte. Seitdem existiert das Kloster offiziell nicht mehr.

Es gibt aber auch noch eine andere Sicht der Dinge, die man sich in Zweifall erzählt, und das ist auch die Geschichte, die Schwester Regina erzählt: Wegen knapper Kassen soll das Bistum die Schwestern unter Druck gesetzt haben, ihr Kloster aufzugeben, weil im Falle einer Auflösung Grundstück und Gebäude an das Bistum gefallen wären. Die Schwestern aber hätten sich gewehrt, darauf verwiesen, dass sie weder vom Bischof noch vom Mutterorden finanzielle Unterstützung bekämen. In den Gesprächen seien die Schwestern schließlich bearbeitet worden, so sehr, dass die damalige Priorin einen Herzanfall erlitten habe, an dem sie gestorben sei. Im Dorf wissen Leute sogar zu berichten, dass Vertreter des Bischofs noch auf der Intensivstation des Krankenhauses auf die Frau eingeredet hätten, was auch Dorfklatsch sein mag.

Nun also ist das Kloster besetzt, was im klösterlichen Leben allerdings keinen Unterschied macht, sagt Schwester Regina. Es gibt einen Freundeskreis des Klosters, der dabei hilft, das Gelände in Ordnung zu halten. Es finden Ausstellungen statt, und die Schwestern versuchen so gut es geht, ihren vom Orden vorgegebenen Tagensablauf einzuhalten: Um 5.15 Uhr stehen sie auf, um 20 Uhr ist die Komplet, dazwischen wird gebetet, gearbeitet und gegessen. Ab und an allerdings bekommen die Nonnen Post vom Gericht. Schwester Regina erwägt nun, den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte anzurufen.