Stuttgart

Große Sicherheitsvorkehrungen zum Prozess um "Parkplatzmorde"

Unter massiven Sicherheitsvorkehrungen hat am Montag in Stuttgart der Prozess gegen einen 56 Jahre alten Mann wegen der sogenannten Parkplatzmorde begonnen. Der Angeklagte äußerte sich zum Prozessauftakt nicht zu dem Vorwurf, am 8. Mai und am 2. Juli 2010 zwei Männer durch Kopfschüsse auf Parkplätzen getötet zu haben, die als Homosexuellen-Treffpunkte gelten.

Die Staatsanwaltschaft hält den Mann für so gefährlich, dass sie bereits Sicherungsverwahrung forderte.

Am 8. Mai 2010 war auf einem Parkplatz bei Magstadt bei Böblingen ein 30-jähriger Mann erschossen worden. Ein Kriminalbeamter berichtete am Montag von den aufwendigen Ermittlungen, in deren Verlauf zuerst ein zu unrecht Verdächtigter festgenommen wurde.

Am 2. Juli 2010 wurde dann ein 70-Jähriger tot auf einem Autobahnparkplatz bei Mörfelden-Walldorf in Hessen gefunden, der mit derselben Waffe ebenfalls durch einen Kopfschuss von hinten getötet worden war. Beide Parkplätze gelten als Treffpunkte für Homosexuelle.

Auf die Spur des Angeklagten kamen die Ermittler jedoch erst, als sich ein belgischer Tourist bei den Behörden meldete. Er gab an, im Juni 2010 auf dem Marktplatz in Freudenstadt von einem Mann mit einem Messer in seinem Wagen bedroht worden zu sein. Die Polizei stellte in Freudenstadt Zigarettenstummel mit genetischem Material sicher, das mit Spuren vom Tatort in Magstadt übereinstimmte. Auf Bildern vom Marktplatz in Freudenstadt fiel zudem ein dunkles Fahrzeug mit Esslinger Kennzeichen auf, das die Beamten zum Angeklagten führte.

Im Dezember 2010 wurde der Mann festgenommen, bei seiner Vernehmung bei der Polizei stritt er die Tat ab. Laut Anklage liegt das Motiv für die Taten in einem "Gefühl aus Rache" begründet, nachdem sich der Angeklagte vor einigen Jahren mit dem HI-Virus angesteckt hatte.

Bei der Verlesung der Anklageschrift stellte die Staatsanwaltschaft fest, dass der 56-Jährige "aus niedrigen Beweggründen" und "heimtückisch" zwei Menschen tötete. Auch den belgischen Touristen in Freudenstadt, der sich gegen den Angriff wehren konnte, habe er umbringen wollen. Der Angeklagte habe einen "Hang zu erheblichen Straftaten", so dass Sicherungsverwahrung anzuordnen sei.