Preisverleihung

Ladies' Night bei den Music Awards

Bei den MTV Video Music Awards im letzten Jahr schockte Lady Gaga noch mit ihrem etwas zu authentischen Fleischkleid. Einen ähnlichen Gig hatte sie sich wohl in diesem Jahr vorgenommen: Als "Jo Calderone", ein etwas schmieriger Italoamerikaner mit Zigarette und Bierflasche, sprang die Lady auf die Bühne in Los Angeles.

Sie versuchte mehrfach, Britney Spears anzugraben, und erklärte der versammelten Presse: "Was denn? Habt ihr euch als Jugendliche nie einen auf Britney runtergeholt?"

Aber wie echt Gagas Performance nun war, bewegte 2011 keinen so recht. Denn es gab etwas viel Aufregenderes: Beyoncés Babybauch. Nach der Verkündung der lange erwarteten Schwangerschaft geriet selbst Katy Perrys Sieg für das beste Video zur Nebensache.

Auf dem schwarzen Teppich vor dem Nokia Theatre in Los Angeles hielt sich die in ein wallendes rotes Kleid gehüllt R-&-B-Sängerin ihren Bauch und erklärte, dass sie nach über drei Jahren Ehe mit dem Sänger Jay-Z Nachwuchs erwartet. Während der Show trat die 29-Jährige dann mit ihrem Titel "Love On Top" auf. Anders als bei ihren sonstigen Auftritten trug sie statt eines knapp geschnittenen Bühnenkostüms einen zurückhaltenden Glitzer-Smoking. Und auch hier punktete sie wieder mit ihrem Nachwuchs: Zum Ende ihrer Nummer zog Beyoncé ihre Jacke aus und streichelte den Bauch. Im Publikum applaudierte der aufgekratzte Jay-Z, und Kollege Kanye West fiel ihm um den Hals.

Lächeln unter rosa Perücke

Nach dieser Nachricht war der vorher mit Spannung erwartete Auftritt von Lady Gaga plötzlich nicht mehr ganz so interessant, und auch die anderen sorgsam geplanten Höhepunkte der Preisverleihung verblassten.

Dabei hätte es doch eigentlich die Nacht der Katy Perry werden sollen. Daraus aber wurde nichts. Für ihr Filmchen zum Song "Firework" gewann Perry zwar das "Video des Jahres" die begehrteste Auszeichnung, aber sonst lief es für sie längst nicht so glanzvoll wie gedacht. Weitere Preise gewann sie für die besten Spezialeffekte und, mit Rapper Kanye West, für die beste Zusammenarbeit. Doch es blieb bei den dreien.

Bei der Pressekonferenz hinterher erklärte Perry, "Ich war total schockiert, dass ich in der Kategorie bestes Video gewonnen habe. Aber ich habe das Gefühl gehabt, es war richtig, dass ich diesen Preis bekommen habe." "Fireworks", das sei nicht irgendein Song: "Er ist eine Bewegung."

Nominiert worden war Perry allerdings für gleich neun Preise. Nach dem denkwürdigen Jahr 2010, in dem Lady Gaga in 13 Kategorien nominiert war und acht Trophäen mit nach Hause nahm, hatte Perry sich wohl etwas anderes erhofft. Immer wieder schaute sie überrascht, wenn ein anderer Name fiel, und lächelte tapfer unter ihrer rosa Perücke und dem großen gelben Würfel, der als Hut über ihrem Kopf schwebte.

Dank an Produzenten - und Gott

Den ersten "Mondmann" des Abends konnte Britney Spears für das beste Popvideo entgegennehmen, und später wurde Spears sogar der Vanguard Award für ihr visuelles Vermächtnis überreicht. Eine frühe Ehrung für ihr Lebenswerk, drei Monate vor ihrem 30. Geburtstag. Artig dankte sie ihren Eltern, ihren Kindern, ihrem Produzenten und "Gott, dass er mich gesegnet hat". Spears sah großartig aus und wirkte sehr glücklich, aber auch ein bisschen nervös. Was an der "Jo Calderone"-Show von Lady Gaga gelegen haben könnte, die Spears mächtig zu Leibe rückte. Den mittlerweile legendären Kuss mit Madonna und Christina Aguilera bei den MTV Awards 2003 wollte Britney dann auch nicht wiederholen: "Ich habe das schon mal gemacht", sagte sie.

Die beste Performance des Abends lieferte Sängerin Adele mit "Someone Like You" ab. Die Britin gewann in drei der sieben Kategorien, für die sie nominiert war.

Es wurde aber noch eine andere Künstlerin in dieser Nacht in Los Angeles ausgezeichnet. Allerdings nicht mit einem Preis. Die vor einem Monat verstorbene Amy Winehouse war in der Erinnerung vieler immer noch sehr präsent.

Schauspieler Russell Brand erinnerte an die Soulsängerin, mit der er befreundet war. Er rief dazu auf, Leidenden zu helfen. "Viele Menschen werden krank, wenige haben das unglaubliche Talent, mit dem Amy gesegnet war", sagte Brand, der einst selbst drogenabhängig war. Er sprach anderen Erkrankten Mut zu. "Es gibt eine Lösung", sagte Brand.

Tony Bennett, der gemeinsam mit Amy Winehouse ihren wohl letzten Titel für sein "Duets II"-Album aufnahm, zeigte ein Video, wie er gemeinsam mit der Britin den Titel "Body And Soul" singt. Anschließend trat Bruno Mars mit Winehouse' Song "Valerie" auf. Er beendete das Lied mit den Worten "Amy, Baby, wir werden dich vermissen".