Mexiko

Drogenbande macht Kasino zur Todesfalle

Donnerstag, 15.20 Uhr. Mittagessenszeit in Mexiko. Im "Casino Royale" ist schon einiges los. Das Spielkasino ist eines der beliebtesten der nordmexikanischen Stadt.

Dann geht alles ganz schnell: Vier Geländewagen fahren vor, sechs vermummte, schwer bewaffnete Männer steigen aus, stürmen ins Gebäude und brüllen die Anwesenden an, sich auf den Boden zu werfen. Panik bricht aus. Besucher und Angestellte rennen schreiend zu den Toiletten, um Schutz zu suchen. Dann schütten die Täter Benzin aus und stecken das Gebäude in Brand.

Das Kommando verschwindet so blitzartig, wie es gekommen ist. Das Gebäude geht in Flammen auf und brennt fast vollständig aus. Mehr als 100 Kunden gelingt die Flucht über die Dachterrasse. Andere - vor allem Frauen - schaffen es mithilfe eines Angestellten, sich durch ein kleines Fenster auf den Parkplatz hinaus ins Freie zu retten. Als die Feuerwehrleute kommen, brennt das Gebäude lichterloh. Eine Stunde später rammen Rettungskräfte mit Baggern Löchern in die Wände, durch die einigen die Flucht gelingt.

Doch diejenigen, die in den hinteren Teil geflüchtet sind, stecken in der Falle. Die Notausgänge sind verrammelt und mit Schlössern verriegelt. Auch die Bäder und ein unterirdischer Parkplatz bieten keinen Schutz vor Rauch und Flammen.

Viele ersticken und verbrennen. Vier Stunden brauchen die Feuerwehrmänner, um den Brand zu löschen, zurück bleibt eine schwarze Ruine. Die Bergungsarbeiten gehen langsam voran; erst ist von vier, dann sechs Toten die Rede, dann von 18, 22, schließlich 32. Bis in die Morgenstunden wurden 53 Leichen geborgen. Möglicherweise erhöht sich die Zahl der Opfer.

Es war nicht der erste Anschlag auf das Spielkasino, das schon im Januar Ziel eines Killerkommandos war. Damals verschleppten die Maskierten einen Kunden vom Parkplatz. Im Mai schloss es die Stadtverwaltung - allerdings wegen der Nichteinhaltung von Auflagen beim Erweiterungsbau. So seien nicht genügend Notausgänge vorhanden gewesen und die Fluchtwege nicht gekennzeichnet worden. Doch die Justiz gewährte auf Antrag der Betreiber die vorläufige Inbetriebnahme. Dieser sogenannte "Amparo" ist ein in Mexiko gängiger Weg, um Verwaltungsakte und Justizentscheide zu umgehen. Die Tragödie wäre zu vermeiden gewesen, wenn man seinen Anordnungen Folge geleistet hätte, sagte Bürgermeister Fernando Larrazábal.

Monterrey, einst die industrielle Vorzeigemetropole und die sicherste und reichste Stadt Mexikos, ist seit einigen Monaten Brennpunkt der Auseinandersetzungen verfeindeter Kartelle. Das Golfkartell und die Zetas liefern sich dort eine Schlacht um die Kontrolle von Drogenrouten. Seit Anfang des Jahres wurden Dutzende von Bars und Kasinos Opfer von Angriffen und Überfällen bewaffneter Kommandos. Auch das US-Konsulat und eine exklusive Privatschule waren Ziele der Banden. Viele Geschäftsleute haben ihren Wohnsitz inzwischen auf die US-Seite der Grenze verlegt.

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