Luftwaffe

Greenpeace-Schiff vor Sylt beinahe von Rakete getroffen

Die Besatzung eines Greenpeace-Schiffes ist vor zwei Monaten nur knapp einem Unglück entgangen.

Wie erst jetzt bekannt wurde, zündete am 9. Juni der Pilot eines Luftwaffen-Kampfjets etwa 40 Seemeilen westlich von Sylt eine Rakete. Niemand kam zu Schaden, aber die Lenkwaffe schlug nur rund 500 Meter von dem Schiff entfernt auf der Nordsee auf und explodierte.

Greenpeace-Aktivist Timo Liebe befand sich mit acht Mitstreitern an Bord der "Beluga II". Er erinnert sich an eine lockere Plauderei der Kollegen nach dem Frühstück: "Plötzlich, wie aus dem Nichts, war ein ohrenbetäubender Knall zu hören. Keiner wusste, was passiert - aber eines war sofort klar: Das kann keinen natürlichen Ursprung haben." Eine schwarze Wasserfontäne sei aufgestiegen. Sekunden später schoss der Düsenjäger über die Köpfe der Aktivisten hinweg. Der Jet war zurückgeflogen, um zu prüfen, ob jemand zu Schaden gekommen ist, wie sich später herausstellte.

Die Untersuchungen der Luftwaffe dauern noch an. Der betreffende Nordsee-Abschnitt ist für Übungen vorgesehen. Doch auch die Greenpeace-Mannschaft machte keinen Fehler. Denn der Luftraum war zwar anlässlich der Übung gesperrt, nicht aber die Wasserfläche. Anfang August trafen sich Vertreter beider Seiten zum Gespräch, um aufzuklären, wie es zu dem Zwischenfall - die offizielle Sprachregelung lautet derzeit "Versehen" - kommen konnte. "Wir haben verabredet, die Untersuchung abzuwarten", sagte Dietmar Kress, Bereichsleiter in der Hamburger Greenpeace-Deutschlandzentrale. Der Pilot hat unser Schiff wohl schlichtweg übersehen." Offenbar sollte er eine Attrappe in der Luft treffen. Aus noch ungeklärter Ursache habe er das Ziel verfehlt, teilte die Luftwaffe mit. "Möglich ist auch, dass der Flugkörper defekt war", sagte Stefan Kamp, Major bei der Luftwaffe.