Allgäu

Dreharbeiten sind Hintergrund von Seilbahnunglück

Der verunglückte Gleitschirmflug im bayerischen Allgäu stand im Zusammenhang mit Fernsehaufnahmen. Der Gleitschirmpilot war im Tandemflug mit einem Reporter des Bayerischen Fernsehens unterwegs, wie eine Sprecherin der Bayerischen Rundfunks (BR) sagte.

Es sei um Aufnahmen für eine Urlaubsserie gegangen. Tandemflüge seien eine gute und problemlose Methode, um Luftaufnahmen zu filmen. Eigentlich habe im Anschluss eine Kamerafrau in einem zweiten Tandemflug starten sollen.

Doch dazu kam es nicht mehr. Der 54-jährige Pilot blieb am Freitagmittag mit seinem Schirm im Tragseil der Tegelbergbahn nahe dem Schloss Neuschwanstein hängen und legte die Bahn lahm. Aus einer Gondel mussten 30 Insassen aus 70 Meter Höhe abgeseilt werden. In einer anderen Gondel waren 20 Menschen mehr als 18 Stunden in 100 Meter Höhe eingeschlossen, sie konnten erst am Samstagmorgen mit Hubschraubern in Sicherheit gebracht werden.

Die 19 Touristen in der Gondel, darunter fünf Kinder im Alter von vier bis zwölf Jahren, und der Gondelführer mussten die Nacht ausharren, als Nottoilette dient eine kleine Luke im Gondelboden. Eine Rettungsaktion musste wegen zu starken Windes wieder abgebrochen werden.

Dann aber kam die Präzisionsarbeit der Hubschrauberpiloten zum Einsatz. Teamarbeit, jahrelanges Training und das Ausschalten von Emotionen hat den Besatzungen geholfen. So schildert es Maximilian Kolbeck - der 56-Jährige flog bei der Rettungsaktion einen der Hubschrauber. Kolbeck ist seit 33 Jahren Einsatzpilot bei der Hubschrauberstaffel Bayern. Entscheidungen müssten nüchtern und sachlich gefällt werden. So auch die Entscheidung, wegen des windigen Wetters zunächst nur die Personen aus der Gondel zu retten, die dem Tal näher war.

"So etwas ist natürlich hart. Alles ist vor Ort, man möchte helfen und kann nicht. Die Rettungskräfte waren deshalb enorm angespannt", sagte Kolbeck. Für die Windenbergung muss der Hubschrauber präzise über der Gondel in Position gebracht und gehalten werden. "Hierzu spricht der Flugtechniker in Doppelfunktion den Piloten mittels kurzen und prägnanten Anweisungen kontinuierlich an und bedient gleichzeitig die Winde", erläutert der Pilot. Da bei Einsätzen manchmal jede Sekunde zähle, sei eine solche missverständnisfreie Schlagwortkommunikation wichtig. Erst als der Hubschrauber in der Schwebeflugposition exakt über der Gondel positioniert war, konnte der Retter am Windenseil die einzelnen Fahrgäste aus der Gondel bergen. Um solche Manöver fliegen zu können, sei jahrelanges Training notwendig, sagte Kolbeck.

Der Geschäftsführer der Tegelbergbahn, Franz Bucher, hat den Gleitschirmpiloten scharf attackiert. "Als er oben am Seil hing, hat er geschrien wie am Spieß, bis er gerettet wurde. Seitdem hat er sich nicht mal bei uns gemeldet, um sich zu entschuldigen und die Daten seiner Haftpflichtversicherung zu hinterlassen", sagte Bucher. Der Bergbahn ist durch den Vorfall bisher ein Schaden von 75 000 Euro entstanden. .