Kriminalität

Grausiger Fund im Wald

Eine Familientragödie, die zwei Todesopfer forderte, beschäftigt derzeit die Potsdamer Polizei: In einem Waldstück bei Börnicke nahe dem brandenburgischen Nauen wurde in den frühen Morgenstunden des Freitag ein ausgebranntes Autowrack entdeckt, in dem die Leichen zweier Kinder saßen.

Zuvor war ein Mann auf der Bundesautobahn A 24 von Polizisten aufgegriffen worden, der schwere Brandverletzungen aufwies und einen verwirrten Eindruck machte. Er gab laut Staatsanwaltschaft Hinweise auf den Fundort des ausgebrannten Autos. Obwohl auch die Möglichkeit eines tragischen Unglücksfalls in Betracht gezogen werden muss, können die eingesetzten Ermittler ein Verbrechen nicht ausschließen.

Bis zur Unkenntlichkeit verbrannt

Gegen 4 Uhr hatte ein Lkw-Fahrer den noch nicht identifizierten Mann auf der Autobahn BAB 24 nahe der Abfahrt Nauen gesehen und über die Notrufleitung die Polizei alarmiert. Eine Funkstreifenbesatzung entdeckte ihn wenig später. Der Unbekannte musste ob seiner schweren Brandwunden sofort mit einem Hubschrauber zum Unfall Krankenhaus Berlin-Marzahn geflogen werden, wo die behandelnden Ärzte eine Notoperation anordneten. Zeitgleich machten sich mehrere Polizeieinheiten auf die Suche nach der Brandstelle und entdeckten in einem nahegelegenen Waldweg das völlig ausgebrannte Wrack eines Suzuki "Swift". Auf der Rückbank saßen zwei Kinderleichen, die bis zur Unkenntlichkeit verbrannt waren. Bis Redaktionsschluss war es den Ermittlern nicht möglich gewesen, ihre Geschlechter zu bestimmen. Die Leichen wurden ins gerichtsmedizinische Institut zur Obduktion gebracht.

Nach Informationen dieser Zeitung soll es sich bei dem Fahrzeug um einen in Dänemark zugelassenen Wagen handeln, dies konnten Polizeibeamte anhand der Kennzeichen erkennen. Möglicherweise, so ein Ermittler, könnte es sich um ein Familiendrama handeln. "Wir können nicht ausschließen, dass der Mann von seiner Frau getrennt in Dänemark lebt und die Kinder für den Zeitraum der Sommerferien bei sich hatte. Vielleicht hat er auf dem Rückweg die Nerven verloren und wollte seine Frau mit der Tötung der gemeinsamen Kinder bestrafen." Es sei aber ebenso denkbar, dass die Familie in dem Wald nach anstrengender Fahrt eine Pause eingelegt hat und das Fahrzeug ob eines technischen Defekts in Flammen aufging.

Genauen Aufschluss erhoffen sich die Beamten von einer ersten Befragung des Unbekannten, die nach Informationen dieser Zeitung für den kommenden Montag geplant ist. Ob es allerdings tatsächlich dazu kommt, ist indes noch unklar. Der Mann befindet sich zwar außer Lebensgefahr, muss aber nach wie vor rund um die Uhr auf der Intensivstation betreut werden. Sein Zustand ist kritisch.

Bereits kurz nach dem Fund des ausgebrannten Autos wurde es noch vor Ort unter ein Zelt gestellt, um eine Verwischung der Spuren durch möglichen Regen zu verhindern. Beamte der Kriminaltechnik arbeiteten mit Trennschleifern die Autoschlösser heraus, um festzustellen, ob die Türen von außen abgeschlossen waren. Dies würde die Theorie eines Verbrechens unterstützen. Ob die Insassen des Fahrzeugs Gepäck bei sich hatten, konnte ebenfalls noch nicht geklärt werden - "es ist außer der Außenhülle des Fahrzeugs und den Leichen nichts übrig geblieben", so ein Kriminalbeamter.

Die Ermittlungen des Staatsanwaltschaft Potsdam und des Kriminalkommissariats "Schwere Kriminalität" des Schutzbereiches Ostprignitz-Ruppin zur Klärung der Identität des Schwerverletzten und zur Brandursache dauern weiter an, Hinweise nimmt jede Polizeidienststelle entgegen. Nach Meinung der Polizei müsste die ausbleibende Ankunft der Kinder bei ihrer Familie in Berlin oder in Brandenburg am Wochenende auffallen. "Zudem wird der Fall durch die Medien bekannt werden. Wir gehen davon aus, dass am Wochenende jemand mit uns Kontakt aufnehmen wird", so ein Beamter. Sollte dies nicht geschehen, könnten sich die Ermittlungen in die Länge ziehen. Allein die Geschlechtsbestimmung der beiden Kinder wird nicht vor Sonntag erwartet. Die Polizei will Kontakt mit den dänischen Behörden aufnehmen, um die Daten des Kennzeichens abzugleichen.

Sitzhaltung spricht für Verbrechen

Es gelte ferner zu klären, ob die Kinder durch die Brandeinwirkung starben oder gezielt ermordet worden sind. Der Umstand, dass beide auf dem Rücksitz saßen und nicht in Positionen lagen, die auf den Versuch einer Befreiung schließen ließen, könnten als Hinweise auf ein Kapitalverbrechen gewertet werden. Eine Kohlenmonoxidvergiftung im Schlaf, beispielsweise verursacht durch einen Kabelbrand, kommt aber ebenfalls in Frage.