Kiwi-Küken

Weiß ist die Hoffnung

Sie sind so selten, dass jedes ihrer Exemplare kostbar ist - Neuseelands Wappenvögel, die Kiwis, sind vom Aussterben bedroht. Besondere Aufmerksamkeit genießt seit ein paar Wochen der vermutlich erste weiße Artgenosse, der in Gefangenschaft geschlüpft ist.

Das hell gefiederte Küken lockt Besucher in das Vogelschutzgebiet Pukaha im Norden von Wellington und weckt weltweit Interesse an dem Einsatz für die bedrohte Spezies.

Bei öffentlichen Auftritten des weißen Vogels herrscht gespannte Stille im Schutzzentrum. Kinder bestaunen den Jungvogel mit offenem Mund, auch Erwachsene wollen einen Blick auf den außergewöhnlichen Kiwi erhaschen. "Er ist so süß, das hat mich richtig bewegt", schwärmt eine Besucherin. Den Maori gelten Kiwis als heilige Vögel, ihre Wertschätzung im ganzen Land ist so groß, dass die Neuseeländer sich selbst als Kiwis bezeichnen. Das Schlüpfen des weißen Kükens haben örtliche Stammesangehörige mit einer Zeremonie gefeiert.

"Manukura" haben die Vogelkundler das weiße Küken getauft - in der Sprache der Maori heißt das "vom Range eines Häuptlings". Manukura sei allerdings kein Albino, erklärt Wildhüter Tom Studholme. "Er verfügt über ein rezessives Gen, das ihn völlig weiß macht." Die Vogelkundler können nicht vorhersagen, wann der Effekt das nächste Mal auftreten wird. "Wir können nächstes Jahr wieder ein weißes Küken bekommen, es kann aber auch noch 50 oder 100 Jahre dauern", sagt Studholme.

Immerhin können die Wildhüter vom Vogelschutzzentrum Pukaha jetzt Erfolge melden. 14 Küken sind in diesem Jahr bereits in dem Kiwi-Schutzzentrum geschlüpft. Seit 2005 waren es im Schnitt nur zwei pro Jahr gewesen. In dem 2001 eingerichteten Waldstück halten Fallen und Köder die Feinde der Kiwis fern. Die nachtaktiven Vögel bewegen sich frei, alle Eier, die sie legen, werden eingesammelt und ausgebrütet, damit sich keine Fressfeinde wie Hunde und Katzen darüber hermachen. Wenn sich die Küken eigenständig bewegen können, werden sie im Schutzraum ausgesetzt.

Ob Manukura allerdings jemals in Freiheit leben wird, ist noch offen. Mit seinem auffallenden Gefieder könnte er eine leichte Beute für seine Feinde sein, sagt Wildhüter Page. Und schließlich ist der weiße Artgenosse auch etwas ganz Besonderes für seine Pfleger. "Das weiße Küken hat für uns hier alles auf den Kopf gestellt", sagt Kathy Houkamau.