Unglück

Tod im Nichtschwimmerbecken

Es ist Hochsaison an der türkischen Riviera. Ein wolkenloser Himmel und Temperaturen über 30 Grad locken Touristen aus aller Welt in die Region um Alanya. Was sich aber Ende Juli im Poolbecken eines Dreisternehotels abspielt, passt so gar nicht zum Urlaubsidyll. Wie die Schweizer Zeitung "Blick" berichtet, ist eine elf Jahre alte Schülerin aus der Schweiz in einem Nichtschwimmerbecken ertrunken.

Offenbar geriet Melanie S. aus Münchenstein bei Basel beim Tauchen in den Sog einer Pumpe. Erst als die Pumpe abgestellt wurde, konnten herbeigeeilte Badegäste das Mädchen aus dem Wasser ziehen. Ihre Mutter beginnt mit Mund-zu-Mund-Beatmung und Herzmassage, die Viertklässlerin kommt noch kurz zu Bewusstsein und erbricht Wasser. Als nach 30 Minuten der Notarzt am Pool eintrifft, ist Melanie bereits tot. Das Resultat der Obduktion: Tod durch Ertrinken. Nach ersten Erkenntnissen fehlte vor der Pumpe, die Wasser für eine Rutsche ansaugte, das vorgeschriebene Sicherheitsgitter.

Obwohl der Pool laut Angaben der Eltern zum Unglückszeitpunkt überfüllt war, hätte kein Schwimmer den Todeskampf der Schülerin bemerkt. "Hätte man es mit der Reinigung, der Überwachung und den Reparaturen am Pool ein wenig genauer genommen, würde Melanie jetzt noch leben", zitiert der "Blick" die 42 Jahre alte Mutter Monique S. Offenbar versuchten Hotelangestellte nach dem Unfall, das fehlende Sicherheitsgitter nachträglich zu installieren - um die Ermittler zu täuschen. Augenzeugen alarmierten die Polizei, der Vertuschungsversuch flog auf. Mittlerweile wurde der Unglücksort kriminaltechnisch untersucht. "Von den Verantwortlichen des Hotels haben wir bis heute nichts gehört. Keine Entschuldigung, keine Beileidsbekundungen, einfach nichts", sagt Melanies Mutter.

Das Unglück erinnert an einen ähnlichen Vorfall im bulgarischen Schwarzmeer-Badeort Slatni Pjassazi, bei dem Mitte Juli die 13-jährige Sarah E. aus Sachsen-Anhalt ums Leben kam. Auch dort sorgte eine defekte Pumpe für einen starken Sog, aus dem sich das Mädchen nicht befreien konnte. Das Becken war nach Behördenangaben noch nicht offiziell zugelassen. In Deutschland liegen vergleichbare Badeunglücke länger zurück: Zuletzt war 2005 ein zehnjähriges Mädchen im Freizeitbad Gumbala in Gummersbach ertrunken, nachdem sich seine Haare in der Saugöffnung eines Whirlpools verfangen hatten. Drei Ingenieure wurden damals wegen fahrlässiger Tötung verurteilt. Sie hatten bei der Errichtung des Bades mehrfach gegen anerkannte Regelwerke verstoßen, urteilte ein Gericht.

Grundsätzlich hält Hennig Bock von der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) die deutschen öffentlichen Bäder für sicher. Badeunfälle gebe es zwar immer wieder, defekte Anlagen oder eine mangelhafte Wartung seien dafür aber nicht verantwortlich. Auch im Ausland gebe es bis auf wenige Ausnahmen keine Häufung solcher Unglücke. Matthias Oloew von den Berliner Bäderbetrieben stellt aber klar: "Wenn die Pumpe europäischen Normen entsprechen würde, dürfte sie nicht so stark sein, dass irgendetwas angesaugt wird - nicht einmal Haare."